das Kochen und der Herd

\das Kochen und der Herd

das Kochen und der Herd

Lady Gagga kocht schon seit einem Weilchen nicht mehr selbst. Anfangs hat sie die Mittagsmahlzeiten vom caritativen Pflegedienst gebracht bekommen, doch sie hatte immer etwas daran auszusetzen (zu salzig, zu lasch, zu scharf, zu viel, zu wenig…). Also bestellte Frau Schwiegermonster den Dienst ab und versorgt sie seither mit. So bekommt sie nun ihr tägliches Mittagessen von Nebenan, zwischen 12 und 13 Uhr.
Da Frau Schwiegermonster und Herr Schwiegerdrache mit Miss BamBam aber aktuell auf La Gomera weilen, versorgen wir Lady Gagga natürlich mit.
Pünktlich um 12 Uhr brachte ich ihr also ihr Essen.
Als ich aber ihre Küche betrat, sah ich sie am Herd stehen. Ein Topf auf einer Platte. Rein sehen konnte ich nicht, aber ich konnte erkennen, dass die Herdplatte an ist.

Ich: Ich habe hier Dein Mittagessen.
Lady Gagga: Och… Ah… Ich wollte auch grad anfangen.
Ich: Ach, brauchst Du doch nicht. Wir bekochen Dich schon mit.
Lady Gagga: Ja… Gut… Dann brauche ich ja jetzt nicht mehr…

Ich war zwar erstaunt, denn diese Routine müsste sie ja nun schon kennen, sagte aber nichts dazu. Hat sie wahrscheinlich einfach wieder vergessen.
Sie fragte mich dann noch, ob ich einen Dosenöffner habe, sie hätte da Ananas, die sie gerne zum Nachtisch essen würde. Als ich ihr dann den Öffner brachte und die Dose öffnete, konnte ich beobachten, wie sie eine riesige Ladung gekochter Nudeln in den zuvor erhitzten Topf schmiss. Dabei kam ein lautes zischen aus dem Topf, was den Eindruck vermittelte, dass im Topf nichts weiter drin war (Wasser, Öl, etc.).

Der Liebste und ich machten uns dann abends so unsere Gedanken. Lady Gagga hat schon mal Wutanfälle und erzählt ihrer Schwester dann, wie schrecklich alles sei und dass sie am Liebsten das ganze Haus anzünden würde. Da klingelten bei uns dann natürlich die Alarmglocken. Insbesondere wenn man bedenkt, dass sie mit dem Herd offensichtlich überfordert ist. Was ist, wenn sie was zum Kochen aufsetzt und es dann vergisst? Das Haus mit Absicht anzünden haben wir ihr erschwert, indem sämtliche Streichhölzer und Feuerzeuge entfernt wurden. So kann sie auch den Kohleofen nicht mehr zum Verbrennen von Plastikmüll verwenden…
Doch auf Dauer gesehen, wird sie sich wahrscheinlich nicht weiter selbst versorgen können und vor allem auch dürfen. Wenn sie für sich und andere eine Gefahr darstellt, müssen wir schauen. Aktuell ist sie zwar oft verwirrt, kann sich aber soweit noch selbst versorgen (bis auf das Mittagessen eben).
Wir warten also erstmal ab und hoffen, dass die Krankheit nicht all zu schnell voran schreitet.

Von | 2011-11-15T13:35:03+00:00 Dienstag, 15. November 2011|Kategorien: Familienalltag|Tags: , , , , |6 Kommentare

Über den Autor:

Die Alltagsheldin heißt im echten Leben Tanja, ist 31 Jahre alt und lebt mit dem einen Mann, ihren Kindern Nina (09/04), Lotte (05/15) und Jona (01/17) im Sauerland. Sie hat ihr Abitur nachgeholt, studiert nun was Soziales und jongliert zwischen Uni und der Familie – mal mehr, mal weniger erfolgreich.

6 Kommentare

  1. Frl. Null.Zwo 16. November 2011 um 21:06 Uhr - Antworten

    Schwierige Situation für Euch…

    Ich persönlich hätte jetzt schon Angst, bei irgendeiner Sache zu spät zu kommen.
    Ich stelle es mir jedoch nicht sehr einfach vor mit jemand umzugehen, der nach und nach nicht mehr er selbst ist. Man will ja auch nicht bevormunden…

    Ich drück Euch die Daumen, daß alles im Rahmen bleibt!

  2. Alltagsheldin 16. November 2011 um 21:33 Uhr - Antworten

    Auf der einen Seite wollen wir ihr die wenigen „Aufgaben“, die sie noch hat nicht nehmen. Auf der anderen Seite ist das alles auch sehr beängstigend…

    Ach ich weiß auch nicht… 😥

  3. EllenEllen 16. November 2011 um 23:32 Uhr - Antworten

    ich wünsche euch auch dass die Sachen wieder in den Rahmen zurückkehren! Ich verstehe die Situation, es ist gar nicht leicht, wir haben auch das selbe in der Familie, aber mit Verstehen kann es ein bisschen leichter ertragen.

  4. Arven 17. November 2011 um 10:18 Uhr - Antworten

    Das ist alles wirklich nicht einfach…
    Habt ihr Optionen oder auch andere Leute die „Mithelfen“ könnten sie zu versoregen?

    *seufz* Stell ich mir sehr schwierig vor :((

  5. chantal 17. November 2011 um 21:00 Uhr - Antworten

    Auch ich stelle mir das sehr schwierig vor und möchte da nicht in eurer Haut stecken. Ich hoffe, ihr findet irgendeine gute Lösung!!!

  6. Alltagsheldin 19. November 2011 um 12:21 Uhr - Antworten

    Ja, das ist echt schwierig…

    @ Arven… Nein, leider keine Möglichkeit in diese Richtung. Außer eben Pflegedienst…

    Ich kenne es von meiner eigenen Oma, allerdings war das kein schleichender Prozess sondern direkt nach der OP hatte sie Demenz…
    :yawn:

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