Vom Geben & Nehmen

\Vom Geben & Nehmen

Vom Geben & Nehmen

Hat man Kinder, so lernt man immer wieder neue Menschen kennen. Ob nun mit Babys und Kleinkindern im Supermarkt, in der Krabbelgruppe und auf dem Spielplatz, bei Kindergartenkindern die Gruppenkinder oder in der Schule die Klassenkameraden. So entwickeln sich Freundschaften. Oftmals aber auch nicht nur zwischen den Kindern, sondern bei den Eltern gleich mit. An sich ist das sehr schön. Für beide. Doch manchmal entwickeln sich solche Freundschaften in ganz unterschiedliche Richtungen. Bei den Einen ist man auf einer Wellenlänge, versteht sich gut und kann auch gemeinsam Unternehmungen machen. Bei den Anderen sind es nur die Kinder, die sich mögen und verabreden, als Eltern hält man Smalltalk und belässt es dabei. Und dann gibt es noch die Anderen. Und genau darüber habe ich mich in den letzten Wochen und Monaten so sehr geärgert, dass ich keinen Kontakt mehr zu einer Person möchte.
Ich bin nun kein sehr komplizierter Mensch. Zwar bin ich recht ruhig und zurückhaltend bei Menschen, die ich noch nicht gut kenne, grundsätzlich würde ich aber von mir sagen, dass es nicht schwer ist mit mir aus zu kommen. Doch natürlich gibt es auch bei mir Dinge, die nicht gehen.
Also, was ist passiert?
Die Prinzessin kam nach unserem Umzug auf’s Land noch für einen Monat in den Kindergarten, um die Kids ihrer Klasse ungezwungen kennen lernen zu können. Dort freundete sie sich mit vielen Mädchen an. Mit einem davon ganz besonders, da dieses zum Einen bei uns in der unmittelbarer Nähe wohnt und zum Anderen auch recht häufig zugegen war, da sie die beste Freundin von Miss BamBam gewesen ist.
Wie es dann nun einmal so ist, lernte ich auch ihre Mutter kennen. Auf den ersten Blick nur bedingt sympatisch, sehr helikopterhaft um ihre Kinder kreisend, aber im Großen und Ganzen in Ordnung. Auch sie zog wohl – frisch nach einer Trennung – hierher. Und brauchte Hilfe. Der Liebste hat ihr mit seiner Mutter zusammen sämtliche Möbel aufgebaut, Lampen an die Decken gehangen und allen anderen möglichen Kram erledigt. Sie selbst ist war Ehefrau. Und kann handwerklich nichts. Gut, liegt ja nicht jedem.
Kurze Zeit später gab Miss PerfectMum den ersten Grund zum Ärger. Miss BamBam, die Prinzessin, der Liebste und ich waren im Garten. Wir waren allerdings quasi auf dem Sprung. Gartentörchen wird von KleinJ aufgestoßen. Im Hintergrund hört man PerfectMum noch „KleinJ ist jetzt hier!“ rufen und den Automotor anspringen. Weg war sie. Da standen wir dann erst einmal, mit einem großen Fragezeichen im Kopf. Absprache? Fehlanzeige. KleinJ ist jetzt hier. Bum. Keine Diskussion. Bei der abendlichen Wiederkehr der Mutter sprach ich vorsichtig an, dass das doch nicht ginge. Ich würde mir eine Absprache wünschen. Zerknirschter Blick. Ein „Ich dachte eben ihr wärt noch hier“. Aber keine Einsicht. Denn künftig kam KleinJ halt alleine ums Eck. Wenn die Prinzessin und/oder Miss BamBam keine Zeit oder Lust hatten stand man halt so da. Denn KleinJ berichtete, Mutti wäre nur eben schnell einkaufen. Es brodelte ein wenig in mir. Muss ich ehrlich zugeben.
Freundschaft - Geben & NehmenSchon mal stand KleinJ auch da, Miss BamBam war nicht da, die Prinzessin auch nicht. Und PerfectMum schon abgefahren. Der Liebste und ich arbeiteten im Garten. Und hatten bis zum Abend ein fremdes Kind an der Backe. Na vielen Dank.
Oder KleinJ kam – wie gehabt unangemeldet – vorbei um mit der Prinzessin zu spielen. Da die Prinzessin aber nur ein Stündchen hatte und kurz darauf zum Papa-Wochenende fuhr, war KleinJ alleine bei uns. PerfectMum kommt abends um sie zu holen. Und ist erbost. Wieso die Prinzessin denn nun weg sei?! Das könne ja nicht angehen. Auch den Hinweis, dass sie ja hätte fragen können, ob und wie lange es passt, statt KleinJ einfach vorbei zu schicken und weg zu fahren, überging sie. Wir waren böse. Ende.
Kürzlich hab ich dann bei der Schwiegerfamilie auf Miss BamBam aufgepasst. Sie schlief und ich las. Im Haus nebenan schlief die Prinzessin, mit mir verbunden über ein Walkie Talkie. Das Telefon klingelte ständig (etwa 10 bis 15 mal in 30 Minuten!), ich schaute drauf und erkannte die Nummer, ging aber nicht dran. Mache ich bei Anderen einfach nicht gerne.
21.30 Uhr. Die Türglocke geht. Leicht sauer, weil das Kind doch schläft und alle wissen, dass hier eins wohnt, öffne ich. Davor steht Miss PerfectMum. Ob ich mal eben kommen könne. Sie habe ein Rohr verstopft. Einen Pümpel bräuchte sie dann auch noch. Und überhaupt. Mit einer „Ich-bin-jetzt-da-und-brauche-sofort-Hilfe“-Ausstrahlung. Den freundlichen Hinweis darauf, dass ich zwei Kinder beaufsichtige und sie nicht alleine lassen werde, überhört sie. Tut ihn mit einem „Ist ja nur ganz kurz“ ab. Nicht mit mir. Sie geht, schlecht gelaunt.
Die Selbstverständlichkeit, mit der sie die Tornister ihrer Kinder in meinen Kofferraum räumte, damit sie nicht so schwer tragen müssen, lasse ich mal außer acht. Genervt zu reagieren, wenn ich sage, dass ich aber gar nicht nach Hause fahren würde und erst spät abends mit der Prinzessin zurück sei, empfinde ich allerdings doch als recht frech.
Zuletzt nun, der Tropfen, der das Fass endgültig zum Überlaufen brachte. Der Tanzverein der Mädchen. Ich besprach mit der Mutter des Liebsten, dass Miss BamBam und die Prinzessin tanzen gehen würden. PerfectMum wollte KleinJ auch gleich dabei haben. Gut, ist ja kein Problem, für die Mädels vielleicht auch ganz schön. Gemeinsam und so. Der Liebste oder (meistens) ich fuhr die Kids dann hin. Denn das Sportcenter, bei welchem wir beide Mitglieder sind, liegt in unmittelbarer Nähe. Die Kids tanzen, wir sporteln. Praktisch. Das Ganze machten wir ein knappes Jahr. Dann änderte sich mein Zeitkontingent und ich konnte das nicht länger übernehmen. Die Mutter des Liebsten sprang ein. Als nun Miss BamBam nicht mehr gerne hin ging und abgemeldet wurde, dachte ich – wie dumm von mir – jetzt wäre PerfectMum an der Reihe. Immerhin brachte sie sich vergleichsweise am allerwenigsten ein. Tja. Falsch gedacht. Denn zu der Zeit passt es nicht. Sie ließ 3 Termine platzen und meldete KleinJ schlussendlich ab. Ich plante auch, die Prinzessin abzumelden. Zum Frühling. Denn sie möchte lieber Reiten gehen. Mädchending. PerfectMum informierte ich bereits im Oktober, gab an, dass im März Schluss für uns sei. Sie rief mich mehrfach an, um mir aufzutragen, dass ich ihr doch bloß Bescheid geben möge. Sie würde KleinJ dann auch abmelden. Brächte ihr ja dann nichts mehr.
Nun, ich wurde nicht informiert. KleinJ sagte der Prinzessin, sie würde nun das letzte Mal dabei sein. Sie sei abgemeldet. Die Prinzessin sprach Miss PerfectMum gleich darauf an, diese bestätigte dies. Als ich es ansprach, hieß es, das würde nicht stimmen. Erst zum März. Aber sie könne eh nicht mehr fahren. Zeit und so. Ja, die Prinzessin geht seit Januar nicht mehr. Ja, ich zahle weiterhin Beiträge. Man kann doch nicht von Anderen verlangen, was man selbst bei Weitem nicht einhält. Ja, ich finde das frech.
Es gab noch viele weitere kleine Momente, in denen ich hätte platzen können. Manchmal sprach ich es an. Bekam darauf aber nur patzige Antworten und jedes Mal irgendeine Ausrede. Seitdem spreche ich nichts mehr an. Helfe aber auch nicht mehr. KleinJ schicke ich schon mal wieder nach Hause, wenn es nicht passt. Rufe an oder schreibe eine SMS, damit das Kind nicht vor verschlossener Türe steht. Und halte den Kontakt zu PerfectMum so gering wie möglich. Auch den der Prinzessin.

So kann es gehen, mit den Eltern der Kindsfreunde. Es passt einfach nicht immer. Besonders dann nicht, wenn diese sich immer wieder Dinge heraus nehmen, die einfach nicht gehen.Freundschaften bestehen aus „Geben & Nehmen“. Nehmen, was der andere gibt, das erstickt alles Weitere im Keim. 

Von | 2013-02-05T19:17:26+00:00 Dienstag, 5. Februar 2013|Kategorien: Seelentherapie|Tags: , , , |3 Kommentare

Über den Autor:

Die Alltagsheldin heißt im echten Leben Tanja, ist 31 Jahre alt und lebt mit dem einen Mann, ihren Kindern Nina (09/04), Lotte (05/15) und Jona (01/17) im Sauerland. Sie hat ihr Abitur nachgeholt, studiert nun was Soziales und jongliert zwischen Uni und der Familie - mal mehr, mal weniger erfolgreich.

3 Kommentare

  1. Dori 5. Februar 2013 um 21:11 Uhr - Antworten

    Hart. Da fällt mir nicht mehr viel zu ein. Ich hab das ja immer mal mitbekommen und jedes Mal den Kopf geschüttelt, wenn du was gesagt hast…
    Du bist ein viel zu gutmütiger Mensch und dein Liebster auch.
    Madame Perfectmum hätte schon dermaßen Einlauf von meinem Mann oder mir erhalten, dass ihr sämtliche Glocken läuten würden. Und wenn Sie das hier öfters gebracht hätte, mit Kind raus ausm Auto und erst Abends wieder einkehren, hätte sie irgendwann mal das Jugendamt zu Besuch bekommen. Da kenne ich überhaupt nichts und von diesem vernachlässigen seiner Kinder nach dem Motto “ Na da wird man sich schon kümmern“ bekomm ich das absolute „Kotzen“. Das ist ein Problem vieler Eltern heutzutage. Geben und Nehmen Fehlanzeige.

    Am Liebsten ist mir der Mutterkommentar „Na ich muss eben arbeiten, da hab ich keine Zeit für die Kleine“… Wobei das ja bei deiner Perfectmum nicht mal der Fall ist. Was macht sie in all der Zeit? Shoppen?

    Am Ende ist es mal wieder dieses kleine Mädchen, das leidet, ohne das es die Meisten merken werden. Traurig drum.

    • Alltagsheldin 5. Februar 2013 um 21:27 Uhr - Antworten

      Ich kann das nur „unterschreiben“. Im Prinzip ist das Kind (die beiden Kinder) das Leidtragende…
      Aber: Nein, sie arbeitet nicht. Sie studiert. Ganztags. Lt. eigener Angabe aber ist das sehr anstrengend und kaum machbar *kopfschüttel*
      Und: Eigentlich ist es auch nur bei KleinJ so, Kind2 bekommt alles, hat alles und überhaupt… (Ach, wenn ich alleine schon die Klamotten von KleinJ sehe, sie tut mir soooo leid. Manchmal möchte ich bei uns was raussuchen und der Maus geben. Oder meinst Du ein Mädchen trägt gerne die Spiderman-Schlappen, den SpongeBob-Rucksack oder die blauen Boots des Bruders auf? Sie läuft rum… und ist entsprechend häufig ausgegrenzt. Zumal PerfectMum ihr noch eine „Milchallergie, die durch Schnupfen und Mittelohrentzündung auffällig wird“ unterstellt und sie somit noch weiter ausgrenzt. Sie darf nirgends mitessen, immer Extrawurst. Dabei bin ich überzeugt, dass die Kurze nichts hat. Zumal Mum sich weigert zum Arzt zu gehen…)
      Aaah, ich werd‘ wieder bös‘.
      Was ich sagen wollte: KleinJ tut mir eigentlich nur leid.

  2. Frl. Null.Zwo 6. Februar 2013 um 08:46 Uhr - Antworten

    Ich stelle es mir verdammt schlimm vor, so ausgenutzt zu werden und dabei gleichzeitig so Mitleid mit dem Kind zu haben, welches Gegenstand des Ausnutzens ist aber nichts dafür kann. Auch diese Übergriffe und Eingriffe ins eigene Privatleben, die man Anfangs erst merkt, wenn es schon viel zu spät ist…
    Und dann auch noch hilflos dabei zusehen müssen, wie SuperMom ihr Ding durchzieht, aber damit womöglich Weichen beim Kind stellt, die nur noch schwer wieder zurückzustellen sind.
    Aber ich würde mich auch distanzieren – von der Mutter und sie dies deutlich spüren lassen. Zum Kind aber nach Möglichkeit nett wie immer sein (so im Vorbeigehen und ohne daß Mama es als Aufforderung verstehen kann, wieder Mist zu verzapfen).
    Hrgmph!

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