Die Chaosprinzessin

\Die Chaosprinzessin

Die Chaosprinzessin

Als die Prinzessin noch ein kleines Prinzesschen war bemühte sich die Heldin, ihr ein wenig Ordnungssinn anzuerziehen. Das 2jährige Prinzesschen räumte – gemeinsam mit der Heldin – ihre Spielsachen weg. Bevor sie etwas Neues begann, wurden die vorher bespielten Dinge fein säuberlich weggeräumt. Es gab feste Plätze für die Lieblingsdinge, frisch Gebautes durfte natürlich ein wenig stehen bleiben, aber meist herrschte Ordnung im Prinzessinnenzimmer.
Als das kleine Prinzesschen älter wurde, klappte es sogar immer besser. Soweit sogar, dass sie im Alter von 4 Jahren ihr gesamtes Zimmer völlig selbstständig aufzuräumen in der Lage war. Die Heldin machte regelmäßig Grundordnung, saugte Staub und putzte Fenster – den Rest erledigte das kleine Prinzesschen alleine.

Heute ist aus dem kleinen ordnungsliebenden Prinzesschen eine große Chaosprinzessin geworden. Dinge werden dort fallen gelassen, wo sie zuletzt genutzt wurden. Es werden gefühlte 1000 Spiele angefangen, von denen zwar alle irgendwo wild verstreut herumfliegen, aber keines den Weg zurück zum angestammten Platz findet.
Zunächst dachten die Helden, die Prinzessin habe zu wenig Stauraum und besorgten einige Regale, Schubladen und Schubfächer. Das gesamte Zimmer wurde ausgestattet. Sie hofften, dass das Aufräumen so leichter fallen würde.
Anfangs war dies auch tatsächlich der Fall. Die Prinzessin hielt wieder vermehrt Ordnung, räumte selbstständig auf und es war immer wieder angenehm ihr Zimmer zu betreten.

Danach kam die Zeit, in der es im Haus der Helden laut wurde. Es wurde diskutiert, wieso etwas nicht aufgeräumt werden könnte, wann zuletzt aufgeräumt wurde und wie aufräumen ganz allgemein eigentlich auszusehen hat.
Die Helden wollten die Prinzessin nicht zum aufräumen verdonnern, aber auch nicht ständig diskutieren müssen, wieso denn ausgerechnet jetzt aufgeräumt werden sollte.
Grundsätzlich haben sie nämlich Ordnungstage. An diesen Tagen wird die gesamte Heldenhöhle wieder auf Vordermann gebracht. Auch das Prinzessinnenchaoszimmer. Eigentlich. Häufig kam die Heldin zum Nachsehen hoch und… erschrak. Aufgeräumt? DAS? Nein!

Die Helden diskutierten und redeten sich den Mund fusselig. Die Zickenprinzessin verschwand türenknallend auf ihrem Zimmer. Motzte. Stampfte auf. Weinte. Doch das Zimmer blieb wie es war: eine Prinzessinnenchaoshöhle.

Kinderzimmer - Chaos - Prinzessinnenchaoshöhle

Irgendwann unterhielt sich die Helden einmal mehr darüber und beschlossen es sein zu lassen. Wenn die Prinzessin eine Prinzessinnenchaoshöhle haben möchte, dann soll sie eben eine Prinzessinnenchaoshöhle haben.
Die Helden setzten sich also auch mit der Prinzessin zusammen und besprachen dieses Thema. Änderten die Grundregeln diesbezüglich.
Neuerdings sagt der Prinzessin niemand mehr, wann sie ihr Zimmer aufzuräumen hat. In der Prinzessinnenchaoshöhle kann es aussehen, wie sie es möchte. Dafür kümmert sie sich auch alleine um diese Chaoshöhle. Die Heldin bezieht lediglich das Bett neu und putzt Fenster, der Rest ist der Prinzessin überlassen. Zwar kann die Prinzessin auch um Hilfe bitten, wenn es ihr zu viel werden sollte, dann aber würde nach Heldenstandards aufgeräumt werden. Der großzügige Flur – in dem die Bauecke der Prinzessin untergebracht ist – und die Treppe nach oben – wo die Prinzessin oft und gerne Dinge ablegt, die später nach oben gebracht werden sollen – haben allerdings ordentlich zu sein.
Außerdem kann Besuch nur in einem aufgeräumten Zimmer empfangen werden. Grundordnung muss sein.

Doch auch gelockerte Regeln sind Regeln und müssen eingehalten werden. Natürlich hat das Diskutieren nicht aufgehört. Nur das Thema hat sich geändert. Nun geht es zum Beispiel darum, ob ein Rucksack, Bücher, Malutensilien, Kuscheltiere, ausgezogene Klamotten und gemalte Kunstwerke denn wirklich viel Zeug sind und ob man beim Treppensteigen nicht einfach die ersten fünf Stufen auslassen könnte? Oder darum, ob die auf der Kindercouch verteilten drei Hosen, fünf T-Shirts, drei Röcke und sechs Kleider nicht auch als eine einzige Garnitur durchgehen könnten? Oder aber darum, ob die Bauecke tatsächlich vollständig von den Plastikbausteinchen befreit sein sollte, bevor die Heldin staubsaugt? Letzteres hat die Heldin für sich entschieden, nachdem der Staubsauger lautstark etwas verschluckte. Chrchrchr. (Aber die Heldin hat ein Herz und friemelte das verschluckte, dringend benötigte Männchen selbstverständlich wieder heraus.)

Die Feststellung der Helden jedenfalls ist, dass es eigentlich keine Rolle Spielt welche Regeln man aufstellt und wie gelockert diese sind. Diskutiert wird sowieso immer.
Und was das Aufräumen angeht: Die Prinzessin verkündete, sie fühle sich nicht mehr sooo wohl in ihrem Zimmer. Wir sind gespannt, ob und wenn ja was sich tut.

Von | 2013-08-07T07:43:10+00:00 Mittwoch, 7. August 2013|Kategorien: Kinder, Kinder!|Tags: , |9 Kommentare

Über den Autor:

Die Alltagsheldin heißt im echten Leben Tanja, ist 31 Jahre alt und lebt mit dem einen Mann, ihren Kindern Nina (09/04), Lotte (05/15) und Jona (01/17) im Sauerland. Sie hat ihr Abitur nachgeholt, studiert nun was Soziales und jongliert zwischen Uni und der Familie - mal mehr, mal weniger erfolgreich.

9 Kommentare

  1. gabsartig 7. August 2013 um 09:06 Uhr - Antworten

    Das haben wir original genau so erlebt. Unterdessen wird es wieder besser. Tochterkind ist jetzt 10 und mag es langsam wieder aufgeräumter 🙂
    Happy day!

  2. nadlm 7. August 2013 um 09:14 Uhr - Antworten

    Da bin ich ja froh das es bei euch auch so ist.
    Und der Schreibtisch kommt mir sooooo bekannt vor. Und dann auf der Treppe ablegen auch. *g*

  3. Chantal 7. August 2013 um 14:52 Uhr - Antworten

    Lol, es ist doch schön, das es ähnlich ist. Das Zimmer ist eigentlich relativ ordentlich, Kind hasst zuviel Chaos und räumt dann auf. Die Treppe ist auch immer ordentlich, weil das ihre Aufgabe ist, diese immer aufzuräumen. Alles was hochmuss, legen wir drauf und sie trägt es dann hoch, schließlich läuft sie am Tag mindestens 435 x nach oben und unten 🙂

  4. Ina 7. August 2013 um 16:20 Uhr - Antworten

    Hehe ich kenne das auch und meiner ist 6 jahre alt, ich muss auch immer und immer wieder diskutieren.. aber Warum,Wieso usw.

    LG Ina

  5. Alltagsheldin 7. August 2013 um 23:38 Uhr - Antworten

    Na da bin ich aber froh, dass die Prinzessin keine Exotin ist, sondern eher „zur breiten Masse“ gehört…
    Ich hoffe dann mal, dass es sich so entwickelt wie bei Gabs :luv: :thumbsup:

  6. Ina 8. August 2013 um 14:54 Uhr - Antworten

    Stimmt mutig ist es auf jeden Fall,aber ich habe es nur stechen lassen weil es zwei Bedeutungen hat,einmal ja der Name und einmal auf Latein *Das Leben*.
    Einen normalen Namen würde ich mir auch nicht stehen lassen.

    Das mit der Wirbelsäulen und den Chinesichen Zeichen das hat wirklich schon fast jeden,leider.
    Aber es gibt doch auch viele anderen schönen stellen ??
    Ich wollte mir zu erst den Namen in der Innenseite vom Ellenbogen machen aber mir hat der Tattowiere abgeraten weil es da sehr empfindlich ist.
    Vll traue ich mich doch irgendwann aber dann was kleines 🙂

    LG Ina

  7. Alltagsheldin 8. August 2013 um 23:16 Uhr - Antworten

    Ah, die 2. Bedeutung kannte ich jetzt nicht. Dann hätte ich das vielleicht auch gemacht. 🙂

    Ja, die Stellen gibt es. Aaaaber ich bin da anspruchsvoll. Lach. Es muss eine Stelle an meinem Körper sein, die ich mag. Außerdem aber auch mit normaler Kleidung verdeckt (verdeckbar) sein. Also unsichtbar mit Jeans + T-Shirt. Und da wird es schon schwieriger.
    Naja, ich hab ja noch Zeit. Und wenn mir nichts einfällt, womit ich mich wohlfühle, lasse ich es eben. Ist ja kein Muss.

    Ellenbogeninnenseite ist an sich auch ganz schön. Aber empfindlich, klar. Aua aua. 😀
    Na dann bin ich mal gespannt, ob Du Dich noch traust 😉

  8. Kati 10. August 2013 um 14:41 Uhr - Antworten

    HA! Kenn ich. Allerdings ist das bei meinem kleinen Helden schon länger her, denn wir haben feste Zeiten gesetzt, wann er sein Zimmer aufzuräumen und zu putzen hat. Vorher braucht er gar nicht erst an Wii, Nintendo o.ä. zu denken. Dass das Lego ab und zu rumliegt, ist normal, aber mehr wird bei mir nicht akzeptiert. Ordnung halten ist bei uns eine Regel ohne jegliche Diskussion. Wünsche Euch gutes Gelingen 😉 LG, Kati

  9. Dori 11. August 2013 um 19:41 Uhr - Antworten

    Hier sehen die Schreibtische auch so aus, allerdings muss ich gestehen mein Scraptisch schaut auch nicht immer besser aus, sondern sehr chaotisch wenn ich am arbeiten bin 😉 Klar räume ich dann auch auf, aber für die Kinder ist das Wort „Aufräumen“ so ein Wort, dass man gern überhört…. und ganz ehrlich? eigentlich gar nicht so schlimm… sie lernen das mit der Zeit und unsere räumen mittlerweile häufiger auch mal den Schreibtisch auf! Man hat festgestellt, man kann dann besser schreiben, malen, whatever. Kids sind nicht dumm, manchmal nur was faul und gelassener als wir Großen… aber sie lernen viel und schnell….

    LG
    Dori

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