Social Media – Segen oder Fluch?

\Social Media – Segen oder Fluch?

Social Media – Segen oder Fluch?

Ich  bin jemand, der schon seit einem Weilchen privat im großen WWW unterwegs ist. Mal mehr, mal weniger aktiv. Zuerst bei den kleinen Verzeichnissen, später dann beim großen blauen Buch. Eine Zeit lang gab es bei letzterem viele Aktualisierungen von mir. Nahezu täglich. Irgendwann nahm das aber rapide ab; momentan habe ich etwa einmal monatlich was neues in meiner Chronik. Dennoch bin ich dort recht regelmäßig aktiv gewesen, likte Dinge meiner Freunde, kommentierte hier und da private Fotos. Sowas halt.
Auch was Messenger angeht, so bin ich eher mittelmäßig aktiv. Ich bin war in mehreren Gruppen, verfolgte diese aber mehr, als dass ich mich tatsächlich beteiligte. Einzelgespräche führe ich ab und zu. Aber nicht übermäßig viel.
So wirklich Gedanken habe ich mir um dieses Thema aber nie gemacht. Warum auch? Denn es spielt keine übermäßig große Rolle in meinem Leben.

Nach dem Tod meines Bruders letzte Woche, sieht das aber anders aus. Ich habe mir sein Profil beim großen blauen Buch genauer angeschaut und sehe nun Anzeichen dafür, dass es ihm nicht (mehr) gut ging. Mag sein, hinterher sieht man immer mehr, als es vorher vielleicht der Fall war. Dennoch.
In letzter Zeit postete er gar nichts mehr. Nichts. Null. Nada. Zuvor – vor etwas über einem Jahr – aktualisierte er seinen Status mehrmals wöchentlich, fast täglich, zeigte Fotos, postete Videos und dumme Sprüche, spielte Spiele, all sowas halt. Und ich stelle mir die Frage: Hätte ich es merken können? Hätte ich sehen können, dass sich da etwas änderte? Hätte mir auffallen müssen, dass es ruhiger wurde in seinem Leben? Dass er nicht mehr ausging? Dass er im Leben kaum noch aktiv war?
Ich wusste nicht, dass er im Ausbildungsunternehmen nicht übernommen wurde. Fand aber jetzt – JETZT! – eine entsprechende Statusmeldung. Ich schrieb ihm zuvor mehrfach via Messenger, bekam aber keine Antwort. Fand nun aber eine völlig andere Handynummer in seinem Profil. Eine (zuletzt) aktuelle Nummer.
Natürlich, das große blaue Buch ist keine Referenz für das echte Leben. Viele Menschen sind aktiv. Oder waren es. Andere eben nicht. Oder nicht mehr. Es passt sich ein wenig dem eigenen Leben an. Oder verschwindet ganz. Natürlich. Aber dennoch.

Social media - Segen oder Fluch?

Gedanken zum Social Media – Segen oder Fluch?
Was mir aber wirklich Gedanken macht ist die Tatsache, dass die sozialen Netzwerke eine immer größere Stellung im alltäglichen Leben einnehmen. Früher riefen wir an, wenn wir wissen wollten, was jemand so macht. Heute schauen wir im großen blauen Buch. Früher schrieben wir eine SMS und man traf sich, wenn wir wissen wollten, wie es jemandem geht. Heute versenden wir eine Nachricht via Messenger und unterhalten uns dort. Oder eben nicht.
Schlecht ist da sicherlich nicht alles. Grade in der schnelllebigen Gesellschaft heutzutage. Es fehlt häufig an Zeit, die Entfernungen sind vielleicht größer geworden und wir leben in unterschiedlichen Lebensmodellen. Doch wenn wir uns zu sehr auf die sozialen Netzwerke verlassen, geht auch eine Menge unter. Der richtige Umgang damit ist der wichtigste Punkt in diesem Zusammenhang.

Meine Konsequenzen
Ich ging nun meine Freundesliste im großen blauen Buch durch und sortierte aus. Rigoros. Die meisten derjenigen, die ich nicht in echt kenne, entfernte ich. Außerdem Leute, mit denen ich seit Ewigkeiten gar keinen Kontakt mehr pflegte. Ich hatte viele in der Liste, die ich durch ein Forum oder das Bloggen kennen und mögen gelernt habe. Dann alte Freunde, aus der Teenager- und Schulzeit. Und entfernte Bekannte. Jetzt sind alle weg. Die Liste der Freunde schrumpfte von 172 auf 66 Leute.
Ebenso trat ich aus einer (aktiven) Messenger-Gruppe aus. Das Gerät gibt ständig Ton, aber eigentlich habe ich dafür keine Zeit. Häufig gehen Leute unter, denen ich schreiben wollte, weil ich rein sehe, gefühlt 562 Benachrichtigungen bekomme, diese lese und dann vergesse, wem ich eigentlich schreiben wollte.
Ich hab alles abgespeckt und beschränke mich auf die mir wirklich wichtigen Leute. So schreibe ich nun häufiger mit meinem kleinen Bruder, sehe, wenn meine Schwester etwas im großen blauen Buch gepostet hat und antworte zeitnah (!!!) auf Nachrichten – all das, was zuvor in der großen Masse an Meldungen eher unterging.

Auf das wesentliche beschränkt ist das Social Media für mich nämlich dann doch eher Segen, als Fluch. Aber eben nur, wenn ich es bewusst einsetze und nicht nur nebenbei laufen lasse.

Von | 2014-04-15T07:51:19+00:00 Dienstag, 15. April 2014|Kategorien: IchIchIch, Seelentherapie|Tags: , |4 Kommentare

Über den Autor:

Die Alltagsheldin heißt im echten Leben Tanja, ist 31 Jahre alt und lebt mit dem einen Mann, ihren Kindern Nina (09/04), Lotte (05/15) und Jona (01/17) im Sauerland. Sie hat ihr Abitur nachgeholt, studiert nun was Soziales und jongliert zwischen Uni und der Familie - mal mehr, mal weniger erfolgreich.

4 Kommentare

  1. Frl. Null.Zwo 15. April 2014 um 20:16 Uhr - Antworten

    Ich finde es sehr schwierig, da pauschal eine Art Patentlösung zu haben. Ich habe einige, die sind gar nicht beim blauen Buch. Anderen posten 2xmal im Jahr, wiederum andere täglich. Ich finde es sehr schwer, da den Überblick zu behalten. Vor allem, wenn sich Vorlieben ändern oder das real life dazwischen funkt – egal auf welcher Seite.
    Aber digital abspecken werde ich bald auch müssen, vor allem was das Lesen anderer Blogs angeht. Das ist bei mir echt ausgeartet und immer denke ich, ich würde was verpassen wenn ich den oder den Artikel nicht lese. Sowieso merke ich gerade ganz doll, dass ich momentan kaum Zeit für FB, TW und Co habe, es aber auch gar nicht richtig vermisse. Real life ist gerade viiiel spannender und das ist gut so!

    • Alltagsheldin 16. April 2014 um 07:55 Uhr - Antworten

      Da hast Du natürlich recht – ein Patentrezept ist – und soll – meine Lösung natürlich nicht (sein). Nur mein (neuer) Weg, damit umzugehen…
      Was die Blogs angeht, so geht es mir ganz ähnlich. Mein Feedreader ist zwar recht voll, aber so richtig zum lesen/kommentieren komme ich auch nicht mehr. Zumindest nicht überall.
      Das Leben ändert sich, und damit auch der Umgang mit dem WWW – das ist gut so, so muss das sein. 🙂

  2. Susanne Fischer 24. April 2014 um 17:31 Uhr - Antworten

    Der Tod Deines Bruders tut mir leid. Aber Du hast recht, das große blaue Buch lässt alles oberflächlicher werden und man wird das Gefühl nicht los, etwas zu verpassen. Vor einem Jahr habe ich komplett abgeschnitten und mein Profil gelöscht. Nach 3 Monaten Abstinenz bin ich wieder online gegangen, weil ich mir den Weg beruflich offen halten wollte und ich eben ein Profil für meine Unternehmensseite brauchte. Einen Messanger habe ich nie benutzt. Ich stehe den ganzen Tag zur Verfügung, da muss ich nicht nicht noch Abends oder am Wochenende angepiept werden. Die Facebook-App wurde aus dem gleichen Grund vom Smartphone verbannt. Es war nichts wirklich wichtiges, was mich beispielsweise beim Spiel mit meiner Tochter unterbrochen hat. Die Prioritäten müssen einfach wieder gradegerückt werden. Zum Glück ist meine Freundesliste überschaubar. Und trotzdem klicke ich manchmal auf Profile, weil ich lange nichts mehr gehört habe und stelle erstaunt fest, dass die Meldung im Grundrauschen einfach untergegangen ist. Das finde ich schade, da hilft wohl nur konsequentes Aussortieren der Likes, damit wieder das Wichtige in der Timeline erscheint und nicht banale Meldungen von Nachrichtenmagazinen, die mich kaum bis gar nicht interessieren.

    Social life is good, but real life is better!

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