„Eigentlich rauche ich ja gerne!“

\„Eigentlich rauche ich ja gerne!“

„Eigentlich rauche ich ja gerne!“

Rauchen ist ungesund. Raucher stinken unschön. Es ist wahnsinnig teuer. Und sagte ich schon, dass es ungesund ist?
Tja, dennoch rauche ich. Seit ich 15 bin. Zwischendrin gab es einige Pausen, aber ich fing es immer wieder an, obwohl ich von Anfang an eine Gegnerin war. Immer wenn mir Freunde eine Zigarette anboten, lehnte ich dankend ab. Immer wenn ich dafür ausgelacht wurde, nahm ich es erhobenen Hauptes hin, denn es war mir schlicht und einfach egal, was andere von mir dachten. Nur an dem einen Tag, an dem ich die Pausenaufsicht mit einer Klassenkameradin machen musste und sie sich zum Rauchen vom Hof schleichen wollte, sagte ich nicht nein. Ich nahm die angebotene Zigarette an und kaufte mir in der nächsten Pause sogar eigene.
Wenige Tage später zog ich von Zuhause aus und war von da an Raucherin. Einfach so.
Als Jugendliche hatte ich nie das Gefühl in irgendeiner Weise süchtig zu sein. Ich rauchte halt, traute es mir aber zu, jederzeit wieder damit aufzuhören. Zumal ich das eigentlich auch täglich spürte, denn als 15-jährige hat man nicht genügend Taschengeld, um sich jeden Tag eine Schachtel Zigaretten zu kaufen. Man teilte mit Freunden, die Freunde teilten mit einem. Manchmal rauchte man ein Weilchen nicht. Bis zum Monatsanfang, denn dann gab es ja wieder Taschengeld.

Als ich aber erfuhr, dass ich schwanger bin war es keine Frage, dass ich sofort und auf der Stelle aufhörte. Darüber habe ich mir gar keine Gedanken machen müssen, es war einfach so. Und eigentlich hatte ich mir auch vorgenommen, damit gar nicht erst wieder anzufangen. Denn an Freund 1.0 roch ich ja, wie mich Außenstehende wahrnehmen mussten und fand das einfach nur eklig.
Leider hielt dieser Vorsatz nur bis kurz nach dem Abstillen. Der Freund rauchte, ich fand ihn es eklig und dachte mir, ich könne ja hier und da mal eine mit rauchen. So 2-3 am Tag. Dann rieche ich das an ihm nicht mehr so extrem. Theoretisch.
Praktisch war ich recht schnell wieder Raucherin.

Nachdem ich dann mit dem Liebsten zusammen war, wurde ich zum Wochenendnichtraucher, als er im Sauerland arbeiten war und ich in Bonn die Fortbildung hatte. Auch als wir die jetzt bewohnte Wohnung renovierten, sahen wir uns häufig nur an den Wochenenden. Und da rauchte ich nicht. Denn ich fand es für ihn sehr eklig.
Eigentlich wollte ich das Rauchen auch ganz aufgeben, doch ich stand mir selbst im Weg. Ich rauch(t)e gerne. Und wenn ich aufhörte, so wollte ich es für mich tun und nicht für den Liebsten. Denn dann hält es eh nicht lange. Doch irgendwann tat ich es dann doch. Ich hörte ganz auf. Wegen ihm. Mir tat es unendlich leid, dass er diesen Gestank abbekam und ich konnte ihn irgendwann auch selbst nicht mehr an mir riechen.
Das Aufhören fiel mir tatsächlich nicht schwer. Morgens, die erste fehlte, aber ansonsten hatte ich keine Probleme damit.

Rauchen aufhören - Stop smoking

Rauchen aufhören – jetzt

Und dann ging ich wieder zur Schule und fing erneut damit an. Ursprünglich nur eine. Als ich dann aber Zuhause war gestand mir der Liebste, er habe sich (auch) Zigaretten besorgt und hätte in der letzten Schicht geraucht. Seitdem rauchen wir wieder. Beide. Hups.

Trotz all der dagegen sprechenden Argumente: Ich rauche gerne. Punkt. Und das macht es nicht leichter, endgültig damit aufzuhören. Aber ab und zu bekomme ich einen Rappel, kann mich selbst nicht mehr riechen und mir wird regelrecht schlecht davon. Ich (meistens wir) rauche dann einige Tage nicht und danach geht es.

Doch was ich eigentlich sagen möchte:
Rauchen ist doch eine der saublödesten Sachen, die es auf der Welt gibt, oder nicht? Man riecht wie ein Aschenbecher, es kostet unheimlich viel Geld, es ist ungesund und macht auch noch schlechte Haut. Warum also nicht aufhören?
Genau, warum eigentlich nicht?

Von | 2014-04-24T20:26:56+00:00 Donnerstag, 24. April 2014|Kategorien: IchIchIch|Tags: , , |10 Kommentare

Über den Autor:

Die Alltagsheldin heißt im echten Leben Tanja, ist 31 Jahre alt und lebt mit dem einen Mann, ihren Kindern Nina (09/04), Lotte (05/15) und Jona (01/17) im Sauerland. Sie hat ihr Abitur nachgeholt, studiert nun was Soziales und jongliert zwischen Uni und der Familie – mal mehr, mal weniger erfolgreich.

10 Kommentare

  1. Frl. Null.Zwo 24. April 2014 um 20:41 Uhr - Antworten

    Weil es zum Kaffee und zum Bierchen gut schmeckt.
    Weil die Zigarettenpause eine Pause ist, in der man komplett rausgeht und sich z.B. unterhält.
    Weil „nur noch eine rauchen“ ein so schön überschaubarer Zeitraum ist.
    Weil es aufgrund der Abhängigkeit so schön enstpannt.

    Schreibt die schwangere Ex- Raucherin, die gerade so richtig Lust bekommen hat – aber wohl allein schon beim Geruch kotzen müsste.

    • Alltagsheldin 27. April 2014 um 17:11 Uhr - Antworten

      Ach ja… Genau. Das waren sie, die Argumente! :thumbsup:
      Sehr gut zusammengefasst, trifft wirklich alles zu…

  2. Sabrina 24. April 2014 um 21:08 Uhr - Antworten

    Ich hoffe mal mein Schatz wird hier nie lesen 😛

    Oh ja, rauchen… mit 15 hab ich auch so meine erste geraucht. anfangs nur gepafft. es war sau cool wenn der Schwarm DICH fragte ob du ne Kippe hast *-* Irgendwann wurde es richtiges rauchen, Da meine Eltern das nie wollten wurde immer zu den Ferien aufgehört, außer man war mit den Freunden unterwegs, aber im Urlaub war da keiner. mit 17 dann doch, meine Campingfruendin rauchte auch. Es wurde regelmäßig. Bis ich meinen Schatz kennenlernte. 2005. Er mochte es nicht, also hörte ich für ihn auf. Sagte eine Stange noch dann ist ende. Lange war auch ende. ich glaube 2012 war dann wieder die erste Zigarette. mal hier mal da, beim feiern (wo ich meist ohne den Besten bin und naja…)
    Nun in der Uni. Ich hab angst das er es riecht… bis jetzt hat er nix gesagt :/ aber ich mach es eben gerne. als Mama starb hab ich das erstemal auch wieder neben meinen bruder geraucht, ich brauchte was zum festhalten.

    Dumme angewohnheit, aber man macht es eben doch gerne irgendwie XD

  3. Armida 25. April 2014 um 06:42 Uhr - Antworten

    Eine blöde Angewohnheit aber ich kann es einfach nicht lassen.
    Ich rauche mit Pausen auch seit ich 15 bin.
    Jetzt habe ich mir überlegt ob ich nicht auf diese Elektro-Dinger zum abgewöhnen umsteigen soll.
    Man stinkt hinterher nicht so. Ich habe ständig Smint zum lutschen dabei, gehe häufig ins Bad meine Hände waschen weil ich den Geruch nicht leiden kann.
    Aber anscheinend ist mein Wille zu schwach also rauche ich weiter.

    Liebe Grüße
    Armida

  4. Anja Schlüter 25. April 2014 um 08:02 Uhr - Antworten

    Ich glaube, es ist einfach eine Frage des Willens. Ich selbst rauche nicht, nie geraucht, nix konventionelles jedenfalls, aber ich habe eine Freundin, die schon seit Jahren mit (wirklich) allen Mitteln versucht, aufzuhören. Inklusive nur noch auf Terrasse rauchen. Klappt nicht. Ist dann eben so. Und wenns Spaß macht.. Ich fahre auch gerne riskant Auto. Kann auch tödlich sein. Muss aber nicht.

    • Alltagsheldin 27. April 2014 um 17:12 Uhr - Antworten

      Ja, der Willen ist da sowieso die treibende Kraft. Und bei mir war das bisher auch wirklich genau das, was mich bremste. Kann man sich zum „wollen“ zwingen? Hmmm… 😉

  5. Julchen 25. April 2014 um 20:27 Uhr - Antworten

    Warum nicht doch aufhören? weil du ein Vorbild für deine Tochter bist. Weil du nicht nur dir selbst, sondern auch den Menschen in deiner Umgebung damit schadest-ja, auch wer zum rauchen vor die Tür geht, gibt seinen Kindern und anderen nahe stehenden Personen eine ordentliche Portion Toxine mit auf den Weg. Weil du nur dem gesparten Geld ein Konto für deine Tochter anlegen kannst, und noch dazu mit hoher Wahrscheinlichkeit länger an ihrem Leben und dem deiner Enkel teilhaben könntest.

    • Alltagsheldin 27. April 2014 um 17:12 Uhr - Antworten

      Recht hast Du. Natürlich. Ohne Frage. Ohne wenn und aber! :thumbsup:

  6. Grummelmama 9. Mai 2014 um 11:12 Uhr - Antworten

    Ich rauchte, seit ich 13 war… Ja, am Anfang war das noch so eine ganz geheime Sache, bei der meine beste Freundin und ich unsere Zigaretten irgendwo vergruben… Doch mit den Jahren wurde es immer weniger spielerisch und ich rauchte wirklich viel. Ich hörte ein paar Mal auf. Einmal wegen meines Ex. Einmal wegen meiner Mutter. Einmal wegen meines heutigen Mannes (weil er aufhören wollte und es so leichter für ihn war). Aber nie für mich. Dann, eines Tages, zwei Jahre vor meiner ersten Schwangerschaft schmeckte es mir nicht mehr. Ich ließ es sein. Ich rauchte nicht mehr. Bis nach der Schwangerschaft mit der ersten Tochter. Dann hatte ich das Gefühl, alles hätte sich geändert und ich wollte ein Stück altes ICH wieder zurück, in Form einer Zigarette. Also rauchte ich wieder. Nach so vielen Jahren. Ich Depp. Zur zweiten Schwangerschaft hörte ich wieder auf. Und dann fing ich nicht mehr an. Warum? Ich glaube zum ersten Mal in meinem Leben war das „für jemanden“ aufhören stärker als alles andere. Ich möchte gesund bleiben für meine Kinder. Das ist alles. So einfach und simpel. Aber ich denke oft daran. Und es fehlt mir auch. Und ich bin der Meinung, dass es JEDER schaffen kann – wenn der richtige Moment gekommen ist und man es will.

    Liebste Grummelgrüße mit ganz viel Verständnis! (sorry für den Roman :D)

    • Alltagsheldin 11. Mai 2014 um 15:58 Uhr - Antworten

      Ja, das ist halt der springende Punkt. Das Mit-dem-Thema-durch-sein. 🙂
      Aber klasse, dass Du es (endgültig) geschafft hast! Respekt dafür! :thumbsup:

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