Wenn kleine Mädchen groß werden…

\Wenn kleine Mädchen groß werden…

Wenn kleine Mädchen groß werden…

In weniger als einem Monat wird meine kleine Tochter, mein Baby, 10 Jahre alt. ZEHN! Zweistellig! Un.glaub.lich, wie die Zeit rast!
In diesen 10 Jahren hat sich selbstverständlich viel getan. Aus dem kleinen Babymädchen wurde ein Kleinkind, dann ein Grundschulkind und zuletzt ein PreTeen. So langsam aber sicher geht es auf die Pubertät zu und ich staune immer wieder, wie sehr sich meine Tochter doch verändert hat. Nicht nur äußerlich, sondern auch ganz allgemein vom Wesen. War sie früher ein sehr schüchternes und zurückhaltendes Kleinkind und hatte panische Angst davor Menschen anzusprechen, spielte lieber alleine, anstatt ein anderes Kind zum Mitspielen aufzufordern, so ist sie heute selbstbewusst, ein wenig frech und weiß was sie will. Sie hat schon seit Ewigkeiten einen eigenen Klamottenstil und lässt sich nichts einreden. Außer von der besten Freundin, welche DIE Ansprechperson schlechthin ist. Für alles.
Die beste Freundin ist sowieso ein Thema für sich. Zuvor hatte meine Tochter immer Freundinnen, aber nie in der Form, wie es jetzt der Fall ist. Sie verabredete sich immer mal wieder mit den Mädchen, alle Jubeljahre übernachteten sie mal beieinander und spielten in der Schule zusammen. Meist  mit wechselnden Mädchen, die erkorene „beste Freundin“ sah ich eigentlich relativ selten bei uns – ebenso umgekehrt. Seit den Sommerferien allerdings scheint sie ein Level aufgestiegen zu sein. Oder so. Jedenfalls ist die beste Freundin wichtig. Sehr wichtig. Die Mädchen haben beinahe die gesamten Sommerferien miteinander verbracht. Die Nächte, in denen ich nur ein Kind im Kinderzimmer schlafen hatte, lassen sich an zwei Händen abzählen. Höchstens. Bei jeder Unternehmung in der Freundinnenfamilie war meine Tochter dabei. Umgekehrt ebenso, versteht sich. Wenn die ♥-Freundin hier war, sah und hörte ich von den beiden relativ wenig. Außer sie wollten fragen, ob sie gemeinsam zur Freundin gehen können. Oder wenn sie sich abmeldeten, um ins Dorf zu gehen. Oder wenn sie fragen wollten, ob noch eine Übernachtung hier oder dort möglich wäre.
Es gab Zeiten, da spielte sie häufig mit Miss BamBam, der im Nachbarhaus wohnenden Nichte des Liebsten, doch das verflüchtigt sich immer mehr, was wir auch begrüßen. Die beiden kommen immer nur sehr kurze Zeit friedlich miteinander aus, danach wird sich immer gezofft, was auch das Verhältnis zur Schwiegerfamilie beeinträchtigte. Mittlerweile laufen sie sich nur noch etwa einmal die Woche über den Weg, spielen mal 30 Minuten und dann geht jede ihres Weges, zumeist klappt das ziemlich gut. Sowieso habe ich mich immer wieder darüber gewundert, wie sehr sich die beiden streiten. Das hatte die große Tochter mit keinem anderen Mädchen. Und Miss BamBam ebenso. Nur wenn die beiden aufeinander treffen, knallt es. Tjanun.
Vielleicht liegt es auch daran, dass die große Tochter andere Interesse hat. Sie haben sich in letzter Zeit außerdem noch einmal stark verlagert. Hat sie zuvor noch leidenschaftlich mit Feen gespielt, Phantasiespiele erfunden, gebastelt, gemalt, gelesen und sich mit den Plastiksteinchen beschäftigt, so geschieht das alles nur noch selten. Zumindest in der bisherigen Form. Das Lesen ist in den Hintergrund gerückt und geschieht nun sehr phasenweise. Mal klebt sie förmlich an den Büchern. Und dann rührt sie wieder tagelang keins an. Mit der ♥-Freundin wird ständig getuschelt und getratscht. Sie tauschen sich über Parfüm, Schmuck und tolle Kleidung aus. Und wenn sie die Möglichkeit haben shoppen zu gehen, wuseln sie ganz aufgeregt durch den Laden, schlagen sich gegenseitig Klamotten vor und schwärmen davon, was wem wie gut stehen könnte. Wirklich herzig das mit anzusehen.
Wenn kleine Mädchen groß werden...

Meine Tochter interessiert sich nun immer mehr für Schminke, Pflege und gute Gerüche. Sie besitzt bereits 3 eigene Parfüms und nutzt sie ausgiebig. Zu ausgiebig. Manchmal riecht sie, als sei sie im Parfümfass gelandet. Pfui! Aber ausreden lässt sie sich das von mir nicht, daher lasse ich sie einfach. Irgendwann fällt es ihr gewiss auch selbst auf. Hoffe ich.
Ein wenig Angst macht mir wenn ich mitbekomme, wie die Freundin sich mit ihrer Mutter zofft. Uiuiui! Sie ist das 3. Kind, die älteren Geschwister stecken beide mitten in der Pubertät und da scheint sie sich das ein oder andere abgeschaut zu haben. Hin und wieder beginnen auch hier solche Streitereien, bisher konnten wir sie aber gut eindämmen.
Manchmal ist sie zickig, launisch und motzig, kann aber genauso gut hilfsbereit, lieb und freundlich sein. Sie liebt den Heldenhund über alles, tobt, schmust gerne und kann sich kaum von ihm trennen. Andererseits langweilt sie sich häufig, weiß nichts mit sich anzufangen und quengelt dann. Generell bewegt sie sich gerne, reitet und tanzt. Einen großen Teil ihrer freien Zeit verbringt sie bei gutem Wetter auf den Skates und neuerdings auf dem geliehenen Einrad der ♥-Freundin.
In der neuen Klasse scheint sie gut angekommen zu sein. Sie hat sich mit einigen Mädchen angefreundet und wohnt schon der ersten WhatsApp-Gruppe bei (die 3 Süßen). Sie fährt souverän mit dem Zug hin und zurück und hat ihn sogar schon einmal verpasst. So etwas wäre sonst ein riesiges Drama gewesen. War es aber gar nicht, sie kam einfach mit dem nächsten.
Immer mal wieder wird um Hausaufgaben diskutiert. Zum einen schreibt sie wirklich sauig, hat ihre Schreibart als Linkshänderin immer noch nicht raus und verschmiert vieles. Zum anderen beeilt sie sich aber auch immer, möchte schnell fertig werden und macht so viele Fehler, die unnötig sind. Das ärgert sie, weil ich die Fehler sehe und sie korrigieren lasse und das erneut wertvolle Freizeit stiehlt. Freizeit, die sie mit der ♥-Freundin verbringen möchte.
Für ihr Alter ist sie sehr klein und leicht und ist, wie ich kürzlich feststellte, stark untergewichtig. An sich gebe ich aber nicht viel auf den BMI, denn sie isst soweit ausgewogen und genügend. Ein wirklich guter Esser war sie noch nie, daher machen wir dies auch nicht zum Thema. Aus diesem Grund gibt es hier übrigens auch kaum eine Regelung zum Thema Süßigkeiten. Eigentlich darf sie, wann immer sie möchte (außer kurz vor dem Essen) und auch fast so viel, wie sie möchte. Aber da sie kein guter Esser ist, isst sie auch nicht viel Süßes. Tja.

Überhaupt erkenne ich meine Tochter kaum wieder. Sie ist so… anders! Wenn ich sie ansehe, ihr hübsches Gesicht betrachte, in ihre schelmisch blitzenden Auge sehe und sich ein verschmitztes Lächeln auf ihren Lippen kräuselt, dann, ja dann geht mir alles viel zu schnell. Diese mittelgroße Person, die ich 9 Monate unter meinem Herzen trug, wird flügge. Viel zu schnell flügge. Seufz.

Aber jetzt genug rumgeheult, da ich eine Geburtstagsparty, die organisiert werden möchte! An ihrem Geburtstag selbst gibt es Kaffee und Kuchen für die Familie, 2 Wochenenden später die Feier mit 10 Mädchen, eine Premiere bei uns Zuhause, und zuletzt darf sie 2 Freundinnen ins Phantasialand zum Wintertraum einladen, das machen wir dann im Januar.
Ihre Wünsche sind so vielfältig, wie ihre momentanen Interessen. Da ist von neuen Skates, Nagellack, Parfüm, Kopfhörern, einer grünen (wichtig!) Kuscheldecke, Büchern, über Plastiksteinchenkram, Looms, DVDs und Kuscheltieren bis hin zu diversen Spielen einfach alles dabei. Einige Geschenke haben wir schon besorgt, aber in diesem Jahr finde ich es besonders schwierig. Weil keiner ihrer Wünsche DAS Geschenk ist, kein richtiger Herzenswunsch. Sie verstehen?
Aber ich hab ja noch Zeit. 21 Tage.

Von | 2014-09-04T17:29:55+00:00 Donnerstag, 4. September 2014|Kategorien: Kinder, Kinder!|Tags: , , |0 Kommentare

Über den Autor:

Die Alltagsheldin heißt im echten Leben Tanja, ist 31 Jahre alt und lebt mit dem einen Mann, ihren Kindern Nina (09/04), Lotte (05/15) und Jona (01/17) im Sauerland. Sie hat ihr Abitur nachgeholt, studiert nun was Soziales und jongliert zwischen Uni und der Familie – mal mehr, mal weniger erfolgreich.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

%d Bloggern gefällt das: