Tschüss Wochenbett, Hallo Alltag

\Tschüss Wochenbett, Hallo Alltag

Tschüss Wochenbett, Hallo Alltag

Nachdem im Geburtsvorbereitungskurs das Thema Wochenbett gefallen war, habe ich versucht mich darüber zu informieren. Was erwartet mich? Wie werde ich mich fühlen? Was kann ich machen und was nicht? Und vor allen Dingen: Wann ist es vorbei? Doch über den Verlauf habe ich nur wenige Informationen finden können und berichte daher hier von meinen Erfahrungen.
Dass das Wochenbett unmittelbar nach der Geburt des Kindes beginnt und einige Veränderungen einläutet, war mir klar: Die Rückbildung der Gebärmutter, die Nachwehen, die Wundheilung, aber auch die Rückbildung des Beckenbodens und die hormonelle Umstellung finden in dieser Zeit statt. Nicht zu vergessen die körperliche und emotionale Erholung von der Geburt, das Herausfinden der eigenen Grenzen und das Neufinden in die Familienkonstellation. Eine ganze Menge für im Schnitt 6 bis 8 Wochen.

die Gebärmutter – Rückbildung, Nachwehen und Wundheilung

Während der Schwangerschaft vergrößert sich die Gebärmutter immens und wiegt zum Ende hin knapp 1 kg. Im Verlauf des Wochenbetts bildet sie sich auf 50-70 g zurück. Nachdem sie nach der Geburt schon nur noch zwischen Schambein und Nabel zu ertasten ist, bildet sie sich täglich um etwa 1 cm zurück und erreicht schon bald ihre ursprüngliche Größe. Begleitet wird das Ganze vom Wochenfluss, der nach etwa 6 bis 8 Wochen versiegt.
Stillende Frauen erleben die Nachwehen, die der inneren Wundheilung dienen, meist intensiver, besonders während des Stillens. Davon wurde ich im Krankenhaus überrascht, weil ich einfach nicht damit gerechnet habe. Sicherlich auch, weil sie beim ersten Kind üblicherweise nur dezent auftreten, sich aber mit jeder weiteren Geburt verstärken. Ich habe die Rückbildung der Gebärmutter förmlich direkt gespürt. Holla die Waldfee tut das weh!
Zum Glück gibt es aber die Möglichkeit sich Schmerzmittel dagegen geben zu lassen. Da ich den Zugang für die PDA noch liegen hatte, kam gleich der Narkosearzt und hat nachgespritzt. Das hat zwar den Vorteil, dass die Schmerzen wirklich ganz weg sind und auch der Wundschmerz des Kaiserschnittes betäubt wird, gleichzeitig aber auch den Nachteil, dass a) das Ganze nicht so lange vorhält (2 Std.) aber nur alle 4 Std. nachgespritzt werden darf und b) immer der Narkosearzt kommen muss, was sich in einem Krankenhaus häufig ein wenig schwierig gestalten kann. Besonders nachts. Die 1. Nacht nach der Geburt war die Hölle und ich habe bereut nicht das Paracetamol gewählt zu haben. Am nächsten Tag hab ich diesen Fehler nicht noch einmal begangen und mir stattdessenüber die Infusion Paracetamol geben lassen. In der 2. Nacht konnte ich dann auch mal etwas schlafen. Ab dem 3. Tag hab ich keine Schmerzmittel mehr genommen und am 4. Tag waren die Nachwehen schon fast weg.

Rückbildung des Beckenbodens – wann ist Sport erlaubt?

Die Beckenbodenmuskulatur wurde während der Schwangerschaft stark beansprucht und die geraden Bauchmuskeln können durch den Babybauch auseinander gedriftet sein. Die Hebamme hat mir bei ihren Besuchen gezeigt, wie ich das ertasten kann und ich war fasziniert bis erschrocken, was da für ein Spalt entstanden ist! Da ist es nur logisch, dass die Bauchmuskeln im Wochenbett und bis zu 3 Monaten danach geschont werden sollten. Erst muss der Beckenboden trainiert werden, dann sollte die Rückbildungsgymnastik gemacht werden. Erst danach darf langsam wieder mit Sport begonnen werden.
Besonders letzteres finde ich sehr frustrierend. Gerade weil ich während der Schwangerschaft so viel zugenommen habe und die Kilos natürlich auch wieder loswerden möchte. Aber nicht nur das Gewicht stört mich. Der Bauch ist weich, die alte Kondition bei weitem nicht zurück und auch wenn ich mich nicht mehr so schwerfällig wie in der Schwangerschaft fühle, fehlt mir doch mein altes Ich. So fühle ich mich einfach nicht wohl! Trotzdem will ich es natürlich richtig machen. Zumal ich nach der Schwangerschaft mit der großen Tochter keine Rückbildung betrieben habe und mir meine Frauenärztin bei einer Vorsorgeuntersuchung im vorletzten Jahr (!) noch dazu riet. Iiks!
Da der Rückbildungskurs der Hebamme erst Anfang August startet, habe ich mich selbst umgesehen, wie ich wieder fit werden kann. Dabei bin ich auf ein YouTube-Video zu Beckenbodenübungen nach der Schwangerschaft gestoßen und werde diese nun durchführen. Je nachdem, ob ich auch die Rückbildung im Alleingang hinbekomme, werde ich den Kurs besuchen oder nicht. Mal sehen.

Hormonumstellung und die neue Familienkonstellation

Neben der körperlichen Umstellung ändert sich auch die Hormonzusammensetzung nach der Geburt wieder. Die Schwangerschaftshormone fallen nach der Geburt schnell ab, was Frau häufig als Baby Blues zu spüren bekommt. Bilderbuchmäßig hatte ich am 3. Tag abends einen absoluten Heulflash. Das Stillen klappte nicht, der Mann war nicht da, das Baby brüllte nur und machte ganz komische Geräusche beim Atmen, die mich sehr besorgten. Außerdem war mein Bewegungsradius auch noch eingeschränkt. Ich wollte das Baby für die Nacht gerne mit im Bett behalten, hatte aber Angst, dass sie raus fällt. Meine Twitter-Blase half mir da ganz immens, hat mich sehr aufgebaut und mir Tipps gegeben ♥. Ich klingelte außerdem nach einer Schwester, die mir dann geduldig beim Anlegen der Kleinen half – sie war wirklich ein Herz! – und zeigte, wie ich am Bett etwas hochklappen konnte, damit die Kleine nicht raus fiel. – Ich war auf diesen Heulflash vorbereitet, so ist es nicht. Bei der großen Tochter hatte ich ihn am 4. Tag, Zuhause. Und auch im Geburtsvorbereitungskurs sprachen wir ausgiebig darüber. Die Hebamme warnte, wir sollten uns zwischen dem 3. und 5. Tag nach der Geburt den Besuch vom Hals halten, im Bett bleiben und heulen, wenn uns danach zumute ist. Ich dachte noch, ich könnte damit umgehen, wenn ich doch weiß, was auf mich zu kommt und werde das sicherlich so nicht erleben. Beherrschung und so. Tja, Pustekuchen. Selbst während ich heulte war mir bewusst, dass alles halb so wild ist und es nur die Hormone sind, aber beherrschen konnte ich mich nicht. Hmpf!
Am Tag der Geburt des Mädchens wollte ich keinen Besuch haben. Das gab zwar einige Enttäuschung, war aber für das Baby und mich das Beste. So konnten wir nach unserem Umzug ins Zimmer in Ruhe kuscheln. Der Mann verschwand mittags nach Hause, ging duschen und versorgte erstmal sich. Zum Abend hin kehrte er zu uns zurück und blieb ein Weilchen.
Gegen 18 Uhr bin ich – knapp 8 Stunden nach der OP – das erste Mal aufgestanden, war im Bad und konnte mich frisch machen. Das war ein ziemlich irres Gefühl. Morgens noch konnte ich nicht einmal meine Arme bewegen, weil sie komplett taub waren und am Abend stand ich im Bad, wusch mir das Gesicht und machte mich frisch. – Das Aufstehen selbst war sehr unangenehm: auf die Seite drehen, Füße aus dem Bett, Oberkörper aufrichten und auf die Beine kommen. Das ging nur langsam und der erste Schritt war komisch, wackelig und schmerzhaft. Aber danach hätte ich mich am liebsten gar nicht mehr zurück ins Bett gelegt. 😉
Das selbe nochmal am 2. Tag. Am 3. Tag wurde mir morgens das Pflaster von der Wunde entfernt, der Katheter gezogen und ich hätte duschen dürfen. Leider lag der Zugang der PDA noch und der Narkosearzt hatte erst abends Luft, um ihn mir zu ziehen. Aber dann konnte ich endlich duschen. Das war vielleicht herrlich, ich fühlte mich danach wie ein neuer Mensch und war vollends fit.
Wochenbett - die große und die kleine Tochter
Die große Tochter hatte zu diesem Zeitpunkt langes Papa-Wochenende, Mittwoch holte er sie nach der Schule ab und wollte sie Samstag zurück bringen. Freitag wurde die Kleine geboren, das passte also ziemlich perfekt. Am Samstag wartete der Mann die Ankunft der Tochter ab und sie kamen gemeinsam zu uns. Die Große war gleich ganz verliebt in die Kleine, hielt sie auf dem Arm und wollte sie gar nicht mehr hergeben. Das war so schön anzusehen, mir standen die Tränen in den Augen vor Glück. ♥ (Näheres zum großen Altersabstand und der neuen Familienkonstellation gibt es demnächst in einem ausführlichen Artikel.)
Überhaupt hatte ich anfangs bedenken, wie die beiden die Zeit meines Krankenhausaufenthalts meistern würden. Mir war klar, dass der Mann zwischen Zuhause und dem Krankenhaus stehen würde und die Große sich in der Zeit vielleicht vernachlässigt fühlen konnte. Das hat er aber wunderbar gemeistert und gelöst, sodass es allen gut damit ging.

endlich Zuhause – mein Wochenbett

Am 5. Tag nach der OP wurden die Fäden gezogen und ich durfte nach Hause gehen – endlich! Ich wäre ja schon am 3. Tag soweit gewesen, aber die Fäden mussten erst raus.
Ich hab das Mädchen früh fertig gemacht, gewogen und wartete nur noch auf die Visite, die zwischen 7 und 7.30 Uhr stattfand. Der Belegarzt war sehr zufrieden mit der Naht und entließ uns. Der Mann holte uns um 8 Uhr ab, wir frühstückten aber noch gemeinsam auf Station. Danach fuhren wir zum Standesamt, wo der Mann noch die letzten Unterlagen abgab und dann ging es nach Hause.
Hier erwartete uns eine Überraschung von Frau Schwiegermutter: Sie hatte am Eingang ein Seil gespannt und daran Klamöttchen, eine Spieluhr und eine Schnullerkette aufgehangen. So lieb!
Wochenbett - endlich Zuhause
Zuhausesein war erstmal seltsam. Es war alles so vertraut und doch wieder neu und anders. Wir kuschelten viel, der Mann kochte und versorgte uns vom ersten Tag an ganz wunderbar. Für ihn ein Spagat zwischen Uni, wo er die Vorlesungen und Übungen nicht verpassen durfte, und Familie. Ich hatte immer ein schlechtes Gewissen ihn so einzuspannen, war aber häufig einfach zu müde und körperlich schwach, um alles selbst zu erledigen.
Das Mädchen gewöhnte sich schnell an die neue Umgebung, schlief weiterhin viel und war auch sonst recht Pflegeleicht. Schwierig war es, als ich mich so sehr ins Stillen verbissen habe und ihr Bauchweh sich verschlimmerte. Schon im Krankenhaus hatte sie damit zu kämpfen, doch da hatte ich noch die Hoffnung, dass das nur anfängliche Anpassungsschwierigkeiten sein könnten, wie die Schwestern vermuteten. Leider hielten die Bauchschmerzen etwa 6 Wochen an. Mittlerweile bin ich mir auch unsicher, ob sie nicht durch die falsche Flasche geschürt wurden.
Die Hebamme kam ab dem 2. Tag Zuhause täglich vorbei. Sie guckte nach der Narbe, massierte mir den Bauch, versorgte den Bauchnabel des Baby, wog es und gab Tipps. Als das Mädchen einen Monat alt war besprachen wir, dass ich mich melde oder in die Praxis komme, wenn noch etwas ist. Kurz darauf habe ich damit aufgehört aufzuschreiben wann sie wie viel trinkt und wechselte 2 Wochen später zurück zum medela-Sauger. Letzteres vor allem weil sie beim Trinken Pausen benötigt, die sie mit den anderen Saugsystemen nicht hat. Sie verschluckte sich ständig, schluckte viel Luft und schmatzte stark. Das hat sich nun erledigt.
Anfangs fragte ich mich noch, wann denn das Wochenbett offiziell vorbei ist. Sechs bis acht Wochen ist ja nun keine so genaue Angabe. 6 Wochen nach der Geburt des Mädchens war es bei mir vorbei. Seitdem fühle ich mich wieder fit genug, kann im Haushalt voll durchstarten und bin nicht mehr ständig erschöpft. Vorher ging alles nur etappenweise, ich konnte abends nur schwer lange auf bleiben, brauchte mittags nochmal Ruhe und fühlte mich nach der Hausarbeit schnell sehr erschöpft und war allgemein einfach fertig.

Die Zeit des Wochenbetts war – Dank dem Mann – eine sehr schöne. Ich konnte viel mit dem Mädchen kuscheln, sie aber auch mal dem Mann übergeben, wenn ich nicht mehr konnte. Zum Beispiel wenn sie den ganzen Vormittag heulig war, ich um 14 Uhr weder gekocht, geduscht noch die Schlafklamotten gewechselt hatte und er aus der Uni heim kam. Das relativierte die Erschöpfung immer sehr, gab mir Luft zum verschnaufen und ich konnte mich kurz darauf wieder voll um das Baby kümmern.

5 Tage nach der Geburt: -10 kg | 2 Monate nach der Geburt: -17 kg

Von | 2015-07-13T19:40:55+00:00 Montag, 13. Juli 2015|Kategorien: IchIchIch, Seelentherapie|Tags: , , , , |3 Kommentare

Über den Autor:

Die Alltagsheldin heißt im echten Leben Tanja, ist 31 Jahre alt und lebt mit dem einen Mann, ihren Kindern Nina (09/04), Lotte (05/15) und Jona (01/17) im Sauerland. Sie hat ihr Abitur nachgeholt, studiert nun was Soziales und jongliert zwischen Uni und der Familie - mal mehr, mal weniger erfolgreich.

3 Kommentare

  1. Sari 14. Juli 2015 um 11:59 Uhr - Antworten

    Ich kann mich an so vieles gar nicht mehr erinnern. Wochenbett, ich dachte immer, das hätte mit diesen Depressionen zu tun, die manche danach bekommen *lach* Da kann man mal sehen ^^

    Ich bin grad etwas baff, ich hatte deinen Blog abonniert, aber scheinbar keine neuen Meldungen mehr bekommen. Ein Baby-Mädchen, wie toll ^^

  2. Dori 14. Juli 2015 um 12:30 Uhr - Antworten

    Liest sich trotz aller Probleme nach einer schönen Wochenbettzeit! Das freut mich sehr für Euch, besonders das es auch mit dem Papa so gut läuft 🙂 Und vieles kommt mir sooooo bekannt vor.
    Und ich schaffe es die nächsten Tage hoffentlich mit eurem Paket zur Post in die Stadt! Wobei es in der Streikzeit vermutlich eh nicht angekommen, ev. sogar verloren gegangen wäre. Hat also was Positives *lach* *seufz*

    • Alltagsheldin 19. Juli 2015 um 16:15 Uhr - Antworten

      Ja, es war wirklich eine schöne Zeit. Auch wenn wir auf das Bauchweh des Mädchens gut hätten verzichten können. Seufz.
      Ach Du, das ist doch 1. gar nicht nötig! und mach Dir 2. bloß keinen Stress! Ich hoffe, Euch geht es gut! ♥

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