BLW statt Brei – dann eben nicht

\BLW statt Brei – dann eben nicht

BLW statt Brei – dann eben nicht

  • BLW statt Brei - manchmal klappt's nicht.

Als die Hebamme damals beim letzten Termin der Babymassage über die Ernährung sprach, hab ich nur mit halbem Ohr zugehört. „Vorkochen und einfrieren…“ – „Wenn eine Mahlzeit ersetzt ist, muss Öl in den Brei…“ – „…und Wasser verbindlich angeboten werden!“ – „Nach dem Mittagsbrei kommt der Abendbrei…“ – „…und dann der am Nachmittag!“ – „Mit einem Jahr sollten die Kleinen am Familientisch mitessen.“ – etc. pp
Mit halbem Ohr deshalb, weil wir ja eigentlich BLW statt Brei (Baby-led Weaning), also vom Baby selbst gesteuertes Abstillen, machen wollten. Mir gefiel die Idee alleine deshalb, weil sie wieder ein wenig zurück zu den Anfängen geht: Evolutionsbedingt sind Babys nämlich durchaus in der Lage, so ernährt zu werden. Außerdem ergaben Studien, dass Babys ganz instinktiv beim Angebot der Lebensmittel wählen, welche Nährstoffe sie gerade benötigen und auch später weniger dazu neigen, sich falsch zu ernähren.

BLW statt Brei – der Beginn

Wir warteten also, bis das Mädchen dazu bereit war, feste Nahrung ausprobieren zu wollen. Aber obwohl die Zeichen zum Beikoststart als recht prägnant beschrieben werden, war ich mir immer unsicher, ob sie nun wirklich bereit ist, oder nicht.

die Zeichen für Beikostreife
  • das Baby kann mit nur minimaler Unterstützung aufrecht sitzen
  • das Baby zeigt deutlich Interesse am Essen anderer
  • das Baby kann sich vom Rücken auf den Bauch drehen (dann ist es auch dazu in der Lage, mit der Zunge Nahrung im Mund von einer zur anderen Seite zu schieben)
  • das Baby beginnt mit ersten Kaubewegungen und der Zungenstoßreflex hat nachgelassen
  • das Baby kann Dinge selbst festhalten und führt sie zum Mund

Was genau ist mit „mit minimaler Unterstützung“ gemeint? Wenn ich sie einfach auf dem Schoß habe und sie sitzt? Das klappte schon lange gut. Interesse an unserem Essen zeigte sie auch, indem sie versuchte es uns zu klauen. Sie drehte sich mit 4 Monaten vom Rücken auf den Bauch, hielt Spielzeug gut fest und führte es zum Mund, um es ausgiebig zu erkunden und Kaubewegungen ahmte sie ebenfalls schon länger nach. Ich kaufte mir das breifrei!-Kochbuch*, las mir einiges an und war guter Dinge, dass das Projekt „BLW statt Brei“ klappen wird.
Also begannen wir im November – da war sie ziemlich genau 6 Monate alt – mit dem ersten Versuch. Ich würzte das Ofengemüse gar nicht und bot ihr Kartoffeln, Zucchini und Paprika an. Sie entschied sich für Kartoffeln, steckte sich eine in den Mund, biss ein Stück ab und… würgte, verschluckte sich und musste sich übergeben. Auch bei allen weiteren darauf folgenden Versuchen lief es genauso ab, am Ende übergab sie sich.

Brei – ein (neuer) Versuch

Das war ziemlich frustrierend, denn eigentlich hab ich mir BLW anders vorgestellt. Zumal das ja auch für das Mädchen nicht besonders angenehm war.
Irgendwann hab ich ihr dann einfach Brei angeboten. Sie war schließlich eindeutig soweit, wurde richtig garstig am Tisch, wenn sie nichts abbekam, aber vielleicht war ihr das Essen am Stück einfach nichts? Und siehe da, mit Brei lief es ganz anders. Zwar verzog sie anfangs ganz angewidert das Gesicht, aber da sie weder Geschmack noch Konsistenz kannte, ist das nur natürlich. Schon am 2. Tag gierte sie nach dem Löffel und wollte unbedingt essen. Die gegessenen Mengen hielten sich zwar im homöopathischen Bereich, aber sie freute sich über jeden Löffel, spuckte manches in hohem Bogen aus und hatte Spaß.

Die Mengen steigerten sich langsam – wirklich SEHR langsam – und stagnierten irgendwann bei ca. 50 Gramm. Erst vor 3 Wochen etwa hab ich ihr dann Schmelzflocken mit Obstmus zu Abend angeboten, seither isst sie deutlich mehr. Ich koche 200ml PRE mit 6 Esslöffeln Schmelzflocken, füge am Ende noch Öl hinzu und mische 3-4 Teelöffel Obstmus hinein. Schon nach ein paar Tagen schaffte sie die ganze Portion und isst nun auch mittags 100 bis 150 Gramm Brei, plus ein paar Löffel Obst zum Nachtisch.

BLW statt Brei

Nachdem sie anfangs nach der Breimahlzeit einfach ihre gewohnte Menge Milch getrunken hatte, verweigert sie sie seit der letzten Woche immer häufiger. Ein paar Schlucke werden getrunken, dann spuckt sie aus und kneift den Mund fest zusammen. Nur die morgendliche Milch und die zum Schlafen trinkt sie noch richtig konsequent. Andererseits ist sie aber dennoch hungrig, nörgelt und motzt viel, ist unruhig und giert nach dem Essen anderer. Ich hab ihr dann einfach mal eine weitere Breimahlzeit angeboten und sie aß ganz begeistert. Nun bekommt sie morgens ihre Flasche Milch, vormittags Müsli mit Obst, mittags ein volles Menü mit Gemüse und Fleisch/Fisch, nachmittags Vollkorn mit Obst und abends erst den Milchbrei und dann noch die Flasche. Seitdem ist sie deutlich zufriedener und satt.

Allerdings muss ich ehrlich sagen, dass ich damit nicht gerechnet und das eigentlich anders geplant habe. Nicht umsonst heißt es „Food under one is just for fun“ – es soll eben nur BEIkost und nicht ANSTATTkost sein. Ich dachte immer, dass das Mädchen noch einige Monate tagsüber zumeist Milch trinken und nicht schon so viel festes Essen zu sich nehmen würde, aber da ich auch der Meinung bin, dass das Baby das Tempo vorgibt und das Mädchen ganz eindeutig zeigt, dass sie keine Milch möchte, gehen wir eben diesen Weg.

BLW – dann halt anders

BLW wollte ich dennoch nicht aufgeben und bot ihr zwischendrin immer wieder unser Essen an, aber sie übergab sich anfangs weiterhin mehrfach.
Erst innerhalb der letzten paar Wochen nimmt sie es deutlich besser an: Bananen werden erst zermatscht und dann stückchenweise gelutscht, Brot beißt sie sogar ab, weicht es auf und schluckt es runter. Aber auch Nudeln, Kartoffeln, Äpfel, Paprika, milden Käse, Fleischwurst und Maiswaffeln mag sie ganz gerne und kommt gut damit zurecht.
Nichtsdestotrotz ist das nicht der klassische BLW-Weg. Bei uns ist das Projekt BLW statt Brei schlichtweg gescheitert, weil das Mädchen nicht damit zu Recht kam. Dafür klappt es jetzt immer besser, dass sie auch stückigeres essen mag und ich bin wirklich gespannt, wie es da weitergeht. Manchmal habe ich das Gefühl, dass es sehr tagesformabhängig ist, ob sie gut oder schlecht damit zu Recht kommt.

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Von | 2016-02-25T07:30:49+00:00 Donnerstag, 25. Februar 2016|Kategorien: Kinder, Kinder!|Tags: , , , |0 Kommentare

Über den Autor:

Die Alltagsheldin heißt im echten Leben Tanja, ist 31 Jahre alt und lebt mit dem einen Mann, ihren Kindern Nina (09/04), Lotte (05/15) und Jona (01/17) im Sauerland. Sie hat ihr Abitur nachgeholt, studiert nun was Soziales und jongliert zwischen Uni und der Familie - mal mehr, mal weniger erfolgreich.

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