Vereinbarkeit von Studium und Familie – es funktioniert (meistens) ohne Fremdbetreuung

\Vereinbarkeit von Studium und Familie – es funktioniert (meistens) ohne Fremdbetreuung

Vereinbarkeit von Studium und Familie – es funktioniert (meistens) ohne Fremdbetreuung

  • Fremdbetreuung - von den Großeltern - mit 10 Monaten

Als ich mich letztes Jahr um einen Studienplatz beworben habe, machte ich mir erstmal keine Gedanken um die Organisation mit den Kindern. Immer „einen Schritt nach dem anderen“ ist da meine Devise. Und dann hatte ich den Platz im Wunschstudienfach. Ich konnte-wollte einfach nicht noch ein Jahr warten und un-be-dingt sofort anfangen.

Vollzeitstudium mal zwei – ohne Kinderbetreuung

Da der Mann ebenfalls studiert, stellte sich erst einmal die Frage, wie wir das mit den Kindern organisieren wollen. Schnell war für uns beide klar, dass wir keine Fremdbetreuung für Lotte wollen. Damit konnte sich auch Ninas Wunsch erfüllen, nach der Schule nicht noch in die Hausaufgabenbetreuung zu müssen.
Überhaupt gab mir Ninas strikte Ablehnung einer Nachmittagsbetreuung zu denken. Immer wieder fielen Kommentare, dass sie nach der Schule direkt nach Hause kommen und nicht noch in die Betreuung möchte. Sie argumentierte mit den anderen Kindern und ihren Müttern, die ja auch da sein können. Ich verstehe Nina da, keine Frage. Sie wurde fremdbetreut, seit sie knapp 2 Jahre alt ist. Und hier auf dem Land ist das eher unüblich. Hier sind die meisten Mütter mittags eben da.

Lotte jedenfalls wollten wir mit 4 1/2 Monaten weder zur Tagesmutter geben, noch anders betreuen lassen. Stattdessen organisierten wir unsere Stundenpläne um sie herum. An manchen Tagen fuhr der Mann morgens zur Uni, ich kam mit Lotte etwas später nach und wir machten mehrfach eine Übergabe. Das führte zu ziemlichem Stress. Aber wir konnten auf diesem Weg beide ein paar Kreditpunkte sammeln und niemand musste mit seinem Studium aussetzen.

Im letzten Semester wollten wir das ganz ähnlich handhaben, stießen aber an die Grenzen des machbaren, denn unsere Veranstaltungen deckten sich immer so doof, dass der Mann nahezu nichts hätte belegen können. Zumindest nicht, wenn ich ein paar Punkte sammeln wollte denn – tadadada – ich bin BaföG-berechtigt und bleibe das nur, wenn ich nach dem 4. Semester einen Leistungsnachweis erbringe. Zwar ist dieser wegen der Betreuung eines Kindes abgemildert, aber irgendwas muss ich eben doch nachweisen.

Fremdbetreuung, aber welche?

Zähneknirschend mussten wir zugeben, dass wir hier  wirklich an unsere Grenzen stoßen und überlegten, welche Form der Fremdbetreuung für Lotte in Frage käme.

An der Uni gibt es die Flexi-Betreuung. Dort können Kinder ab 6 Monaten stundenweise betreut werden, während die Eltern an der Uni sind. Auf der Webseite war allerdings nicht ersichtlich, ob eine Eingewöhnung stattfindet, Bezugsbetreuer da sind oder ähnliches. Also schlossen wir diese Form von vorneherein aus. Zwar erfuhr ich im Laufe des Semesters von anderen Müttern, dass die Betreuung grundsätzlich wirklich toll sei und der einzige Nachteil die stark unterschiedlichen Altersstufen seien, dennoch entschieden wir uns erneut gegen diese Form. Lotte wäre sowieso nicht auf Dauer dort und würde irgendwann in einen Kindergarten bei uns im Ort wechseln. Dadurch brechen Kontakte zu Bezugsmenschen ab und das wollten wir einfach nicht.

Eine Tagesmutter wäre zwar grundsätzlich auch eine Option gewesen – zumal sich die Kostenfrage gar nicht stellte, weil es hier mittlerweile einheitlich einen festen Satz gibt. Aber auch hier sprachen Gründe dagegen. Zum Einen sind Tagesmütter hier eher rar, sodass wir hätten weiter fahren müssen, wodurch wieder sowohl der Mann als auch ich Dinge vom Stundenplan hätten streichen müssen. Außerdem wäre das zu dem Zeitpunkt zu kurzfristig gewesen. Zwischen Feststehen unserer Stundenpläne bis zum Start der Vorlesungen liegen nur 2 Wochen. Für die Suche nach einer Tagesmutter und die Eingewöhnung absolut zu wenig. Zudem wollten wir auch hier keinen Beziehungsabbruch für Lotte, der unweigerlich gekommen wäre, sobald die Betreuungsform sich ändert.

Lange überlegten wir, ob wir die Großeltern fragen sollten. Von unserer Seite sprach eigentlich alles dafür: Lotte kennt sie schon, sie wohnen direkt nebenan und selbst wenn sie später in den Kindergarten geht, bleiben ihre Großeltern ja ihre Großeltern. Dagegen sprach aber, dass Frau Schwiegermutter mit Büro, Haus, Pflegekind etc. eigentlich mehr als genug um die Ohren hat und Lotte auch noch sehr fordernd ist. Wir fragten trotzdem und sie sagte(n) uns zu.

Fremdbetreuung mit 10 Monaten – ein Kompromiss

Nie wollten wir, dass Lotte mit nur 10 Monaten von jemand anderem betreut wird, als von uns. Kritische Stimmen wurden laut – besonders aus dem Internet, aber dafür kennt man das Internet ja – dass das in Teilen Deutschlands früher ja ganz üblich gewesen sei, dass das sowieso das ideale Alter sei oder dass das ihr/ihm selbst ja auch nicht geschadet habe.

Kurz – ganz kurz – kam ich mir ein wenig gluckig vor, doch mein Bauchgefühl sagte mir, dass das für uns eben nicht das richtige gewesen wäre. Lotte irgendwo abgeben, nur um jeweils studieren zu können? Das passt nicht zu uns, nicht zu dem, was wir für die Kinder wollen. Es fühlte sich einfach nicht richtig an.

Fremdbetreuung - von den Großeltern - mit 10 Monaten

Sicherlich wollten wir ursprünglich auch nicht, dass Lotte zu den Großeltern geht – gehen muss – aber im Endeffekt ist das der beste Kompromiss, den wir schließen konnten. Wir können beide ein paar Kurse belegen, ohne dass die Kinder sich abgeschoben oder abgegeben vorkommen. Lotte fand sich bei den Großeltern schnell ein und stellte die Bude dort zweimal wöchentlich ordentlich auf den Kopf. Nina war einmal wöchentlich nachmittags alleine Zuhause (den anderen Tag hatte sie 8 Std.) und war ebenfalls glücklich mit der Situation. Für alle ein win-win.

Und heute?

Auch in diesem Semester taten wir alles, um Lotte selbst betreuen zu können. Ich hätte auch zwei Kurse gestrichen, wenn es bei der Schwiegerfamilie nicht gepasst hätte. Aber auch diesmal geht Lotte zu den Großeltern. Deutlich kürzer, als im letzten Semester, aber einen Vormittag die Woche ist sie wieder dort. Und sie liebt es. Allerdings merkte ich heute – am ersten Tag dort – auch, dass sie diesmal anders reagiert. Sie ist verschmuster, anhänglicher, erzählt viel und war sehr müde. Aber das wird sich in den nächsten Wochen sicherlich wieder einpendeln.

Spannend wird es dann ab nächstem Semester, wenn das Winterkind da ist. Da müssen wir nochmal schauen, wie das weiterhin funktionieren kann…

Von | 2016-11-08T23:40:39+00:00 Dienstag, 8. November 2016|Kategorien: IchIchIch, Kinder, Kinder!|Tags: , , , , , , |0 Kommentare

Über den Autor:

Die Alltagsheldin heißt im echten Leben Tanja, ist 31 Jahre alt und lebt mit dem einen Mann, ihren Kindern Nina (09/04), Lotte (05/15) und Jona (01/17) im Sauerland. Sie hat ihr Abitur nachgeholt, studiert nun was Soziales und jongliert zwischen Uni und der Familie - mal mehr, mal weniger erfolgreich.

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