bald steht die Geburt an – meine Ängste | 10. Monat

\bald steht die Geburt an – meine Ängste | 10. Monat

bald steht die Geburt an – meine Ängste | 10. Monat

Noch 2 Wochen bis zum Entbindungstermin und langsam werde ich ein wenig nervös. Auf welchem Weg kommt das Winterkind auf die Welt? Wie wird es sein? Wie wird es aussehen? Wird es eher der großen, oder mehr der kleinen Tochter ähneln? Vielleicht auch ganz anders aussehen? Aber da sind natürlich auch noch mehr Gedanken und Ängste in meinem Kopf…

Vorsorgeuntersuchung – ein letztes Mal

Heute hatte ich die letzte reguläre Vorsorgeuntersuchung bei meiner Frauenärztin. Nach anfänglich freundlichem Geplänkel kühlte die Stimmung spürbar ab und ich weiß gar nicht mehr, warum und wann genau.
War es, als ich ihr bestätigte, dass mich die Klinik die spontane Geburt nach den 2 Kaiserschnitten versuchen lässt? Oder als ich ihr sagte, dass ich den Termin am Entbindungstermin nicht brauche, da ich spätestens dann eh in die Klinik gehe? Als ich ihr mitteilte, dass ich nächste Woche keinen neuen Termin möchte, weil ich die letzten beiden Wochen gerne noch genießen will und nicht den Eindruck habe, dass das Winterkind eine solche Überwachung nötig hat?

Wann auch immer – sie war nicht begeistert und ließ mich das spüren. Ein abschätziger Blick, als ich ihr sagte, dass der Termin in der Klinik letzte Woche nicht nötig gewesen wäre, da dort weder CTG noch Ultraschall gemacht wurden. Sie wollte dann zumindest selbst nochmal schallen. Wegen der Maße. Und um eine vorzeitige Plazentalösung auszuschließen. Die Messungen hat sie heute besonders großzügig gemacht. Wenn man so viele Ultraschalluntersuchungen mitgemacht hat, sieht man das ja auch als Mama schon ganz gut. Dennoch konnte sie nichts auffälliges feststellen und ich hatte den Eindruck, dass sie das doch so gerne gemacht hätte.

Das Winterkind – ein zeitgerecht entwickeltes Baby

Stattdessen hatte sie da ein sehr zeitgerecht entwickeltes Baby. Der Kopfumfang ist etwas geringer, als zu dieser Woche üblich, aber Bauchumfang und Femurlänge passen wunderbarst. Auch die Plazenta ist in Ordnung und weist nur minimale Verkalkungen auf. Das Baby liegt in Startposition mit dem Rücken rechts. Der PH ist in Ordnung, die Wassereinlagerungen nicht übermäßig, kein Eiweiß im Urin und auch sonst ist wirklich alles im Rahmen.
Ansonsten tastete sie noch nach dem Muttermund und stellte fest, dass dieser fingerdurchlässig ist. Ein „alles kann, nichts muss“-Befund also.

Alles weitere von ihr habe ich diesmal im Keim erstickt, weil ich nichts hören möchte. Sie begann wieder damit, mir ihre Geschichten erzählen zu wollen. „Frau C., sie machen mir richtig Kopfschmerzen… ich hoffe, wir bereuen diese Entscheidung nicht!“ – gelassen antwortete ich, dass wir das erst hinterher sehen werden und fragte, ob sonst noch irgendwas anstünde. So gelassen war ich aber nur äußerlich, ehrlich gesagt.

Sorgen, Ängste – die Geburt steht bald an

Eigentlich war ich bisher immer ganz bei mir: Ich weiß, welche Risiken es gibt, wie hoch sie sind, was passieren kann. Aber seit sie mir ihre Ängste aufdrängte, fällt es mir schwer, zurück zu meiner Mitte zu finden. Ich spüre ein Ziehen an der Gebärmutter und habe Angst, es könnte schlimmeres sein. Ich merke, wie das Baby im Bauch tobt, sich streckt und Platz sucht und ich frage mich, ob ich eine Ruptur rechtzeitig merken würde? Ob wir schnell genug in der Klinik wären? Geht alles gut aus? Für uns alle?

Und im nächsten Moment ärgern mich diese Gedanken, weil ich genau weiß, dass das nicht meine Ängste sind. Ich weiß um das Risiko, wusste es schon immer. Ich bin damit im Reinen, es macht mir keine Angst. Eigentlich. Denn das Risiko ist gering. Sehr sogar.
Und doch… Ich kann es nicht in Worte fassen. Diese unterschwellige Angst, dass etwas schief geht. Dass wir nicht rechtzeitig in der Klinik sind, unterwegs schlimmeres passiert. Oder auch vor Ort erst, wer weiß.

Andererseits will ich mich nicht verrückt machen. Weil ich genau weiß, wie groß die Rolle der Psyche für die Geburt ist. Das habe ich schon damals bei Lotte gemerkt. Auch da hatte ich Ängste. Auch diese wurden von meiner Ärztin ausgelöst. Ich werde nie vergessen, wie eindringlich und dramatisch sie auf mich einredete, ich solle beim kleinsten Anzeichen einer Wehe bloß direkt in die Klinik fahren. Am Ende entwarnte der Belegarzt, aber das Gespräch mit ihr blieb in meinem Gedächtnis. Es blitzte während der Wehen auf und ließ Gedanken zu, die dort keinen Raum hätten haben sollen. Es wurde mir bei den OP-Vorbereitungen sehr bewusst und ich hatte wahnsinnige Angst, dass Lotte etwas passieren könnte, was ich durch einen geplanten Kaiserschnitt hätte verhindern können.

Schaffe ich es diesmal?

Immer wieder frage ich mich, ob sich der Kampf um den natürlichen Versuch überhaupt lohnt. Bin ich in der Lage ein Kind normal zu gebären? Schaffe ich das? Halte ich die Schmerzen aus? Passt das Kind  überhaupt durch den Geburtskanal? Diese und viele weitere Fragen und Unsicherheiten machen mich verrückt. Immer wieder. Und dann stelle ich mir die andere Richtung vor: Es könnte eine wunderbare, unkomplizierte Geburt werden. Wieso auch nicht? Eigentlich steht mir alles offen. Ich muss mich nur frei machen von dem, was andere denken. Ich muss mich auf mich und das Baby konzentrieren. Dann spüre ich, ob alles passt, oder doch ein anderer Weg der bessere für uns ist. Davon bin ich überzeugt.

Über den Autor:

Die Alltagsheldin heißt im echten Leben Tanja, ist 31 Jahre alt und lebt mit dem einen Mann, ihren Kindern Nina (09/04), Lotte (05/15) und Jona (01/17) im Sauerland. Sie hat ihr Abitur nachgeholt, studiert nun was Soziales und jongliert zwischen Uni und der Familie - mal mehr, mal weniger erfolgreich.

13 Kommentare

  1. Ilaina 6. Januar 2017 um 07:13 Uhr - Antworten

    Die Zeit fliegt… 😉
    Ich hatte selbst noch keinen KS, allerdings meine ich, dass die Gefahr einer Ruptur so oder so besteht und nicht erst unter der Geburt. Ausserdem würde Dich die Klinik doch nicht erstmal unter Wehen kommen lassen, wenn sie das Risiko einer Ruptur sehr hoch einschätzen würde, denke ich.
    Wichtig ist unter den Wehen vor allem eins, sich davon leiten lassen und sich nicht dagegen wehren. Auf der Welle reiten, sozusagen. Und es ist keine Schande, eine PDA zu wollen. Die Wehen der Eröffnungsphase sind einfach nervig, wenn auch produktiv 😉 (Wobei eine Gallenkolik wesentlich besch*** ist ;)).

    • Alltagsheldin 8. Januar 2017 um 01:43 Uhr - Antworten

      Ja, es ist wirklich der Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergangen ist. 🙂
      Du hast natürlich Recht, Rupturen passieren – ob nun ohne Kaiserschnitt, nach einem, nach zweien oder gar mehr. Und eine Ruptur kann eben auch während der Schwangerschaft passieren, also ist eigentlich immer alles möglich…
      PDA wird allerdings nicht drin sein, wenn ich mir das richtig gemerkt hab. Da sich eine Ruptur mit Schmerzen zwischen den Wehen ankündigt und die ja so nicht auffallen würden. Aber ich weiß grad gar nicht, wie das die Klinik macht, das hab ich glatt zu fragen vergessen. :blank:

      • Ilaina 9. Januar 2017 um 13:43 Uhr - Antworten

        Es kommt drauf an, wie stark die PDA dosiert wird. Man kann es ja auch so dosieren, dass der Wehenschmerz z.B. noch zu spüren ist nur nicht mehr so stark. Ich habe eine PDA gelegt bekommen, kurz nachdem ich sie bekommen habe, ist die Fruchtblase geplatzt und dann hat es irgendwer geschafft, den Schlauch abzuklemmen. Also Geburt ohne, viel mir aber auch erst später auf XD Allerdings sind auch alle davon ausgegangen, dass dauert noch und dann wäre eine PDA echt angenehmer gewesen (Eröffnungswehen sind einfach nur nervig 😉 ). Du kannst bestimmt nochmal nachfragen, wie die das dann handhaben.

        • Alltagsheldin 12. Januar 2017 um 14:24 Uhr - Antworten

          Ach okay, das wusste ich gar nicht. Bei beiden Geburten hatte ich dann wohl eine „volle PDA“ und spürte nichts.
          Ich werde dann tatsächlich eh alles nochmal abklären, wenn es soweit ist. Vieles ist sicherlich auch abhängig von der grad diensthabenden Hebamme etc…

  2. Traumzweiplus 6. Januar 2017 um 08:54 Uhr - Antworten

    Unglaublich, wie schnell das jetzt ging. Bald ist da noch ein Baby!

    Ich wünsche euch, dass das genau die Geburt wird, die du dir wünschst. Du weißt genau, was dein Körper kann – schließlich ist es deiner. Das wird.

    Ich wünsche euch jedenfalls alles Gute für die Geburt – und schaue morgens immer schon neugierig, ob du etwas geschrieben hast.

    <3

  3. Antje 6. Januar 2017 um 09:09 Uhr - Antworten

    Ihr schafft das 🙂
    Ich schicke euch alle guten positiven Gedanken … lass es fließen, bleib cool und atme tief durch … das wird schon!

  4. Antje 6. Januar 2017 um 14:11 Uhr - Antworten

    Ich hatte beim ersten Mal einen Kaiserschnitt und wollte es beim zweiten Mal natürlich versuchen. Letztlich ging es so schnell (1,5 Stunden vom losfahren zu Hause bis der kleine da war) und ich gar keine Zeit darüber nachzudenken was mit den Schmerzen oder der Kaiserschnitt-Narbe ist. Das habe ich vorher schon gemacht. Aber wie gesagt – keine Zeit.

    Ich drücke dir die Daumen, dass es egal wie es läuft für dich der richtige Weg ist. Und letztlich zählt auch nur, dass es euch beiden gut geht.

    Viele Grüße aus der Nähe von Berlin.
    Antje

    • Alltagsheldin 8. Januar 2017 um 01:44 Uhr - Antworten

      Na das klingt ja auch gut, wenn gar kein Raum für Sorgen ist!
      Danke Dir!!

  5. Sasa 6. Januar 2017 um 16:26 Uhr - Antworten

    Ich denk an euch! Ich bin mir sicher, dass ihr das ganz großartig meistern werdet. Und wenn sich am Ende doch herausstellen sollte, dass es ein Kaiserschnitt werden muss, bist du in guten Händen, wie mir scheint.

    PS: Und wechsle so schnell wie möglich die Gyn – diese Frau ist einfach unmöglich!

    • Alltagsheldin 8. Januar 2017 um 01:46 Uhr - Antworten

      Ja, ich denke auch, dass ich dort gut aufgehoben bin – welcher Weg es für uns nun auch werden wird.
      Ich wünschte nur, das mit dem Wechsel wäre hier einfacher… Aber ich werde mal schauen, ob das eine Option ist…

      Danke Dir jedenfalls! ♥

  6. Bettina 8. Januar 2017 um 23:23 Uhr - Antworten

    Sehr berührend, deine persönlichen Worte! Ich denk‘ an dich und warte auf den erlösenden Post bzw. Foto bei Instagram vom Winterkind!
    Allerdings hätte ich bei der Fahrtstrecke mein drittes Kind auf der Autobahn zur Welt gebracht …
    Ich kann deine innere Anspannung, dieses nicht richtig zu fassende Gefühl, gut verstehen. So ging es mir bei meinem vierten (und letzten :o) Kind – ich habe auf meinen Bauch gehört und damit unbewußt meinem Sohn das Leben gerettet.
    Alles Gute!! Bettina

    • Alltagsheldin 12. Januar 2017 um 14:26 Uhr - Antworten

      Ja, davor habe ich auch Angst, wenn ich ehrlich bin! Und – wie der Mann gestern bemerkt – ich bin wahrscheinlich auch deshalb so angespannt, weil ich weiß, was das noch für eine Fahrerei ist. Ich horche ständig in mich hinein und möchte möglichst früh bemerken, ob „es“ nun losgeht.

      Dein letzter Satz klingt allerdings sehr beängstigend, beklemmend. Puuuh. Wie gut, dass alles gut gegangen ist!!!

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