Hurra, Hurra – es wird ein… | vom Outing und meinen Gefühlen

\Hurra, Hurra – es wird ein… | vom Outing und meinen Gefühlen

Hurra, Hurra – es wird ein… | vom Outing und meinen Gefühlen

In der Schwangerschaft mit Lotte gingen wir recht offen mit dem Outing unseres Babys um. Alle die fragten, bekamen beantwortet, dass es sehr wahrscheinlich ein Mädchen werden würde. In der 3. Schwangerschaft sah das anders aus. Wir behielten das Geschlecht unseres Babys bewusst für uns. Viele fragten, versuchten uns dazu zu bringen, uns zu verplappern. Aber wir blieben standhaft und verrieten erst mit Jonas Geburt, dass wir einen Sohn bekommen haben.

Überraschung oder nicht – das ist die Frage

Ich selbst wollte mich diesmal ehrlich gesagt sogar überraschen lassen. Nachdem ich mir in der 1. Schwangerschaft so sehr einen Sohn gewünscht hatte und die Enttäuschung über die Tochter groß war, hatte ich zwar auch bei Lotte noch den leisen Wunsch nach einem Sohn, aber das Outing machte mich überhaupt nicht traurig, denn zu dem Zeitpunkt war es mir schon egal. Als nun die 3. Schwangerschaft fest stand, konnte ich mir ein kleines Überraschungskind gut vorstellen, denn welches Geschlecht es haben würde, spielte für mich absolut keine Rolle.

Allerdings machten mir mein Mann und Nina einen Strich durch die Rechnung. Besonders der Mann konnte sich das überhaupt nicht vorstellen und so diskutierten wir noch vor dem Untersuchungszimmer beim 1. Termin zur Feindiagnostik daran herum, ob wir es uns nun sagen lassen würden.
Er wollte es unbedingt wissen, weil sich die Namenssuche ohnehin schon so schwierig gestaltet und ein Outing eben einiges erleichtert. Ich wollte es nicht wissen, weil es mir egal war und ich sowieso noch einen Namen für das andere Geschlecht suchen würde, weil das mit dem Outing doch nie 100%ig sicher ist.

Outing wider Willen

Als ich dann da so auf der Liege lag und die Hand der Ärztin mit dem Ultraschallkopf über meinen Bauch flog, verlor sie nicht viele Worte. Kurz bevor sie fertig war wog ich mich schon in Sicherheit und dachte, die Diskussion sei vertagt. Aber dann hielt sie den Ultraschallkopf genau zwischen seine Beinchen und fragte in dem Moment, ob wir das Geschlecht des Babys wissen wollten.

Der Mann und ich schauten uns an und ich musste JA sagen, denn ich hatte es längst gesehen. Selbst wenn ich darauf bestanden hätte, dass sie es nur ihm sagt – wie unser Notfallplan war – hätte es nichts gebracht. Ich hatte es gesehen und wusste damit, dass das Winterkind ein Junge ist. Natürlich hätte ich mich auch vertan haben können, aber ich hatte in den Tagen zuvor online einige Ultraschallbilder von Outings gesehen und war deshalb sehr sicher. Und selbst wenn nicht, wäre dieser Gedanke nun einmal in meinem Kopf eingepflanzt gewesen.

Juhu, juhu – endlich ein Sohn?

Als wir den Untersuchungsraum verließen, war ich total verunsichert. Ich habe mir früher immer vorgestellt, wie sehr ich mich über ein Outing zu einem Sohn freuen würde. Doch da war nichts dergleichen. Ich freute mich über das gesunde Baby – ja natürlich, sehr sogar! – aber nicht über das Outing, denn es war mir egal. Ganz im Gegenteil kamen plötzlich Zweifel auf.

Ein Sohn? Aber ich weiß doch nun, wie es mit Mädchen geht! Wie wickelt man einen Jungen überhaupt? Sind Lottes Klamotten neutral genug, oder muss ich nun eine komplett neue Garderobe kaufen? Und überhaupt: EIN SOHN?!? Mein Gefühl hatte mir doch gesagt, es würde ein Mädchen werden…?!

Nina war von dem Outing übrigens gar nicht begeistert. Zuvor argumentierte sie noch „Ich muss doch wissen, ob es wieder ein kleines süßes Monsterchen, oder die Voll-Katastrophe wird!„. Nun, für sie wurde es also zur Voll-Katastrophe. Außerdem gefielen ihr unsere Namens-Ideen nicht und überhaupt war sie dagegen. Gegen noch ein Baby. Gegen einen Bruder. Und gegen den ausgewählten Namen sowieso. Dödöm.

Warum das Geheimnis?

Nachdem wir nun doch ein Outing hatten, wollten wir es erstmal vorübergehend für uns behalten. Ich wollte mich erst selbst damit auseinandersetzen, bevor ich dazu etwas hören wollte. Und als ich das Outing für mich verarbeitet hatte, wollte ich es gerne ganz für mich behalten. Denn: Warum will es alle Welt wissen? Klar, bei vielen ist es Smalltalk, einfach nur Interesse, jedenfalls keine böse Absicht. Aber mich ärgerten schon bei Lottes Outing einige Kommentare und die wollte ich diesmal weder in die eine, noch in die andere Richtung hören.

Kann der Mann (auch) nur Mädchen?„, hieß es damals. Viele mutmaßten, dass es auch diesmal eins würde. Weil der Mann halt nur Mädchen kann. Außerdem würde es zur Theorie passen, dass seine Vater-Generation nur Jungs hat und seine eben nur Mädchen. Was hätte es zum Outing des Sohnes zu sagen gegeben? Endlich ein Stammhalter? Der Ausgleich? Und gleich noch die Frage, ob unsere Familienplanung dann abgeschlossen ist, wo wir doch nun endlich – endlich! – beides hätten?

Ich hätte mir nichts vormachen dürfen – die Fragen kamen auch ohne dass wir das Geschlecht verrieten. Und gerade deshalb war ich froh, nicht noch mehr Zündstoff gegeben zu haben.

Junge oder Mädchen? - Outing zum Sohn

Außerdem lassen sich viele nicht nehmen, eben jetzt entsprechend zu kommentieren. Ich hörte schon öfter vorwurfsvolle Aussagen, dass wir jetzt doch sicherlich endlich  fertig wären mit unserer Familienplanung? Welch Überraschung es gewesen sei, weil der Mann doch nur Mädchen könne? … Solche Fragen würde ich wohl nie jemandem stellen. Alleine schon, weil ich sie als sehr übergriffig empfinden würde.

Und ich? Ich bin einfach nur froh, dass der kleine Kerl auf der Welt ist. Gesund und munter – das ist alles, was zählt! ♥

Von | 2017-12-12T23:17:38+00:00 Montag, 6. März 2017|Kategorien: IchIchIch, Seelentherapie|Tags: , , |2 Kommentare

Über den Autor:

Die Alltagsheldin heißt im echten Leben Tanja, ist 31 Jahre alt und lebt mit dem einen Mann, ihren Kindern Nina (09/04), Lotte (05/15) und Jona (01/17) im Sauerland. Sie hat ihr Abitur nachgeholt, studiert nun was Soziales und jongliert zwischen Uni und der Familie – mal mehr, mal weniger erfolgreich.

2 Kommentare

  1. Sari 7. März 2017 um 11:43 Uhr - Antworten

    Hachja, das gute alte Stammhalterdenken. Das durfte ich mir auch antun und ich habe direkt zwei geliefert. Da merkt man wieder die Generationen…

    • Alltagsheldin 8. März 2017 um 22:46 Uhr - Antworten

      Ohje, gleich zwei Jungs?! Dann kommt sicherlich auch die Frage, ob/wann das nächste kommt – jetzt MUSS es doch ein Mädchen werden, oder?! 😀

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